Erfolgreiches Risikomanagement beim Trading

21.07.2015 - 4 Minuten Lesezeit

Beim Risikomanagement geht es vor allem um die richtige Verwaltung der eigenen Finanzen, und zwar so, dass im Portfolio eine sinnvolle Risikostruktur entsteht. Es ist ebenfalls wichtig, die Verluste einer Investition zu jeder Zeit unter Kontrolle zu haben oder wenigstens durchgehend im Auge zu behalten.

Die Börse ist kein Glücksspiel

Auch wenn es vor allem Trading-Anfängern so scheint, der Börsenhandel ist kein Glücksspiel. Natürlich kann niemand den Verlauf eines Kurses exakt und zu 100 Prozent genau vorhersagen, aber im Trading gibt es, neben den Techniken der fundamentalen und charttechnischen Analyse, immer die Möglichkeit, die maximalen Verluste im Vorfeld zu bestimmen (abgesehen von Gaps) und das eigene Risiko somit stets im Griff zu haben.

Diesbezüglich gibt es unterschiedliche Ansätze und der nachfolgende Artikel zeigt Ihnen anhand eines Beispiels, wie Sie das Risikomanagement Ihres Portfolios realisieren können.

Die Höhe einer Investition bestimmen

Wenn Sie sich dazu entschließen, ein Wertpapier in Ihr Depot aufzunehmen, stellt sich zuallererst die Frage nach der Stückzahl und dem Nennwert. Viele Trader treffen diese Entscheidung schlicht aus dem Bauch heraus und vergessen dabei, dass die Kapitalaufteilung sowie die Größen der einzelnen Positionen für das Risikomanagement von großer Bedeutung sind.

Zum einen ist es möglich, mit der Streuung des eigenen Kapitals das Gesamtrisiko aufzuteilen und somit auch zu reduzieren. Im besten Fall werden dabei unterschiedliche, möglichst unkorrelierte Werte genutzt. Beachten Sie, dass die Streuung nur dann einen Sinn macht, wenn die Vorteile der Diversifizierung in einem vernünftigen Verhältnis zu den höheren Handelsgebühren stehen.

Verlustobergrenze festlegen - Teil des Risikomanagements

Ein weiterer Vorteil der Streuung ist die Tatsache, dass es möglich ist, mit Hilfe von durchdachten Positionsgrößen den jeweiligen maximalen Verlust genau festzulegen. Dazu sollten Sie im Vorfeld genau überlegen, wie viel Prozent des Gesamtkapitals Sie bereit sind mit einer Position zu verlieren.

Eine solche Entscheidung hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Zum Beispiel ist es von Bedeutung, wie dringend Sie das eingesetzte Kapital aktuell benötigen oder ob Sie grundsätzlich eher das Risiko suchen oder lieber risikoavers agieren.

So können Sie beispielsweise entscheiden, ein Prozent Ihres Depots als die maximale Verlustgrenze festzulegen. Bei einem Depot, das 100.000 Euro enthält wären das 1.000 Euro Höchstverlust, den Sie in Kauf nehmen wollen. Abhängig von Ihrer individuellen Trading-Strategie legen Sie außerdem fest, ab welchem Kurs Sie das jeweilige Wertpapier wieder abstoßen wollen. Das kann beispielsweise ein bestimmter Prozentsatz unter dem Einstiegskurs sein oder der Verkauf erfolgt bei Durchbrechen einer bestimmten Marke.

Zur Verdeutlichung sehen wir uns ein Beispiel an: Ein Trader entschließt sich, ein Wertpapier bei einem Kurs von 50 Euro zu kaufen. Auf Grundlage seiner Strategie legt der Trader nun fest, dass er das Wertpapier abstoßen möchte, falls der Kurs auf 45 Euro fällt. So legt er einen entsprechenden Stop-Loss bei 5 Euro unter dem Einstiegskurs fest. Tritt der Fall ein, dass sich der Kursverlauf zu Ungunsten des Anlegers entwickelt, würde er im schlimmsten Fall 5 Euro pro Wertpapier verlieren.

Da der Trader ebenfalls beschlossen hat, mit der Gesamtposition maximal 1.000 Euro zu verlieren, kann er bei dieser Rechnung insgesamt 200 Wertpapiere kaufen – 1.000 Euro/2 = 200. Der Gesamtwert der Position beläuft sich dabei auf 10.000 Euro – 200 x 50 Euro.

Auch Money-Management hat Grenzen

Es gibt sehr viele unterschiedliche Ansätze, mit denen sich Money-Management realisieren lässt und das oben beschriebene Beispiel ist nur eine der Möglichkeiten. Bedenken Sie aber, dass Money-Management keine Universallösung darstellt. So lässt sich beispielweise beim oben genannten Beispiel bemängeln, dass die Größe der Position in starker Abhängigkeit zum gewählten Stop-Loss steht.

Je enger der Stop-Loss zum gewählten Einstiegskurs steht, desto größer wird die Stückzahl der zu kaufenden Wertpapiere. Das kommt davon, dass der Maximalverlust pro Wertpapier kleiner wird. So können bei besonders engem Stop-Loss teils absurde Positionsgrößen entstehen.

Obendrein ist es ein Irrglaube, dass es möglich ist, durch das enge Setzen des Stop-Loss-Kurses das Gesamtrisiko dauerhaft zu reduzieren. Zwar sind die Verluste pro Wertpapier geringer, aber zugleich steigt das Risiko, dass die Stop-Loss-Order aufgrund starker Kursschwankungen ausgelöst wird. Damit verschwindet auch die Chance, dass sich der Kurs später noch erholen könnte.

Aber auch wenn der Stop-Loss nicht so eng gesetzt wird, bestehen Risiken. Zwar wird ein Stop-Loss, der weit unter dem Einstiegkurs platziert wird, nicht so schnell ausgelöst, aber sollte sich der Kurs nicht erholen, fallen die Verluste entsprechend höher aus.

So ist es wichtig, zu verstehen, dass beim Setzen eines engen Stop-Loss zwar das Kapital verringert wird, das bei einer Position verloren werden kann, aber nicht das Gesamtrisiko, das bei wiederholter Umsetzung der Handelsstrategie besteht.

Fazit

Grundsätzlich ist das Money-und Risikomanagement beim Trading dazu da, sich Gedanken über die Verteilung des eigenen Kapitals zu machen und sich zu jeder Zeit im Klaren zu sein, welche Summen auf dem Spiel stehen. Auch wenn im Vorfeld festgelegte Regelungen nicht auf Dauer das Gesamtrisiko minimieren, so ist es doch wichtig zu wissen, wie viel Kapital aktuell eingesetzt ist und wie hoch im schlimmsten Fall die Verluste ausfallen werden. Als Faustregel gilt dabei: Riskieren Sie nie mehr, als Sie entbehren können, und achten Sie auf den Wohlfühlfaktor.

Über den Autor

Thomas May

Thomas May

Thomas May begeistert sich seit Ende der Neunziger Jahre für die Börse. Parallel zu seinem Soziologiestudium begann er mit dem Aktien- und Optionshandel und finanzierte so seinen Lebensunterhalt.Fasziniert von der Möglichkeit Kursverläufe zu antizipieren, befasste er sich intensiv mit klassischer Charttechnik, Indikatoren- und Zyklenanalyse und konnte diese Ansätze um eigene Konzepte der Trendprognose und Chartgeometrie ergänzen. Bei GodmodeTrader ist Thomas May mit der Analyse der Märkte Schweiz und USA sowie Branchenindizes, Edelmetallen und Rohstoffen betraut. Gemeinsam mit Daniel Kühn leitet er die Redaktion.Darüber hinaus ist der passionierte Swingtrader gefragter Kommentator des aktuellen Marktgeschehens in renommierten Wirtschaftsmedien.Folgen Sie Thomas May auf Guidants.

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