Wie viel Geld können Trader pro Monat an der Börse verdienen?

12.04.2016 - 4 Minuten Lesezeit

Wie viel Geld verdienen Trader tatsächlich pro Monat an der Börse, wenn Wunschträume außen vor bleiben? Auch wenn die Bandbreite naturgemäß groß ist und der Verdienst des Trades von seiner Strategie und der Marktlage abhängt, lassen sich Größenordnungen skizzieren.

Die Quantifizierung einer Handelsstrategie umfasst mehr als nur die Dokumentation von Einstiegs- und Ausstiegorders. Um die Performance einer Strategie korrekt einzuschätzen, sind diverse statistische Auswertungen notwendig.

Es ist generell empfehlenswert, über einige Kennzahlen der eigenen Strategie stets informiert zu sein:

Der Mensch mag es als außergewöhnlichen Zufall empfinden, mehrfach hintereinander knapp „ausgestoppt“ worden zu sein – in der Statistik liegt nur eine Reihe von Verlusten vor.

Die Gretchenfrage: Wie viel lässt sich als Trader pro Monat verdienen?

Die Frage nach dem monatlichen Verdienst – ob nun als Prozentwert oder absoluter Betrag ausgedrückt – ist im Trading-Geschäft die Gretchenfrage. Die Antwort hängt naturgemäß von verschiedenen Parametern wie dem Kontostand, dem pro Trade investierten Risiko usw. ab.

Zudem richtet sich der Verdienst selbstredend nach der angewandten Strategie. Ungeachtet der großen Bandbreite und vielen Einflussfaktoren soll hier eine so konkret wie möglich gehaltene Antwort auf die „Frage aller Fragen“ gegeben werden.

Ausgangspunkt der Betrachtung sei meine sehr kurzfristig angelegte Strategie „Highspeed Daytrader“ (Mitglieder von BrokerDeal erhalten 20% Rabatt auf das erste 3-Monats Abo). Mit dieser lässt sich eine monatliche Performance in Höhe von 10 % erzielen. Doch wie wird dieser Wert ermittelt?


So wird der Monatsgewinn einer Strategie berechnet

Zur Ermittlung der Performance braucht es nicht wesentlich mehr als eine Excel-Tabelle, in der alle getätigten Transaktionen inklusive der dabei abgerechneten Kosten erfasst werden. Im Termin- und Börsenhandel sowie bei kommissionsbasiertem CFD Handel bestehen die Kosten aus den expliziten Transaktions- und Finanzierungskosten, bei kommissionsfreiem CFD Handel sind die Transaktionskosten in Form der Spreads bereits in den Kursen enthalten.

Viele Softwareanwendungen verfügen über Schnittstellen, über die Daten aus der Transaktionshistorie in das Tabellenkalkulationsprogramm Excel exportiert werden können. Bei MetaTrader ist dies z. B. über Reporte möglich.

Die folgende Abbildung zeigt die Auswertung von mehreren Handelstagen, an denen mit dem „Highspeed Daytrader“ gehandelt wurde. Die Tage entfallen auf den Zeitraum vom 05.01. bis zum 19.01.2015.

Tagesperformance berechnen

Tagesperformance

Der durchschnittliche Tagesgewinn ist nicht in der Tabelle enthalten. 

Das Startkapital belief sich auf 15.000 €.

Am Ende des Zeitraumes war ein Profit in Höhe von 805,80 € erzielt worden – das entspricht einem Gewinn in Höhe von 5,37 %. Bezogen auf sieben Handelstage (an so vielen Tagen wurde in dem betreffenden Zeitraum gehandelt) entspricht dies 115,11 €.

Dafür finden sich in der Auswertung diverse weitere Aussagen über die Beschaffenheit der angewandten Handelsstrategie. So ist der Anteil profitabler Positionen mit knapp 70 % relativ hoch, der durchschnittliche Verlust in defizitären Trades dagegen fast doppelt so groß wie der durchschnittliche Gewinn in profitablen Trades.

Aufgrund der Anzahl der getätigten Trades und dem nicht allzu großen Anteil des profitabelsten Trades am gesamten Bruttogewinn besitzen die Daten eine gewisse Validität, können somit als Basis für Kalkulationen herangezogen werden.


Kalkulation: Mehr Trades = Mehr Gewinn?

Ausgehend von einem durchschnittlichen Tagesgewinn in Höhe von 115,11 € ließe sich für einen Zeitraum von 20 Handelstagen ein Erwartungswert für den Gewinn in Höhe von 2302,20 € formulieren. Gemessen daran wäre ein Monatsgewinn von 10 % bzw. 1.500 € realistisch.

Lässt sich dieser Gewinn durch Änderungen an der Handelsstrategie erhöhen?

Das ist mit Einschränkungen und unter Bedingungen tatsächlich möglich. In den sieben betrachteten Handelstagen wurde mit 311 Trades ein Gewinn in Höhe von 805,80 € und damit 2,59 € pro Trade erzielt. Lässt sich die durchschnittliche Profitabilität der Transaktionen bei einer Ausweitung der Handelsaktivität aufrecht erhalten, kann der Gewinn gesteigert werden.

Gemessen daran müsste die Zahl der Trades bis zum Ablauf der einmonatigen Zeitspanne um 268 erhöht werden, da 1.500 € / 2,59 € bekanntlich 579 ergeben und erst 311 Trades absolviert wurden. Verschlechtert sich durch die Ausweitung der Aktivität der durchschnittliche Gewinn pro Trade von 2,59 € auf 1,813 € für den Teil der zusätzlich absolvierten Trades, verbliebe eine Anzahl von 383 ausstehenden Trades zur Erreichung des Gewinnziels.

Der Gewinn pro Trade ist damit eine zentrale Größe für Daytrader.

Zwei Eigenschaften des Gewinns pro Trade sind besonders wichtig

Erstens: Die Höhe. Zweitens: Die Entwicklung des Durchschnittsgewinns bei Variationen der Anzahl der Trades. Letztere lässt nur mit relativ großem Aufwand ermitteln.


Reaktion auf negative Durchschnittsgewinne

Fällt der durchschnittliche Gewinn pro Trade negativ aus  werden also Verluste erzielt  ist eine rasche Änderung der Strategie notwendig. Wird der Durchschnittsverlust lediglich zur Kenntnis genommen, teilt er nur mit, wann die Handlungsunfähigkeit mangels Kapitalisierung eintritt.

Änderungen an der Strategie können dann grundsätzlicher oder gradueller Natur sein. Bei grundsätzlichen Änderungen wird die Logik der Entry- und Exit-Signale hinterfragt und ein anderer Indikator verwendet. Bei graduellen Änderungen wird versucht, im Rahmen der bestehenden Entry- und Exit-Logik eine bessere Performance zu erzielen – etwa indem eine Trendfolgestrategie mit einem schärferen Filter versehen und dadurch die Zahl der Trades reduziert wird.

Jetzt Traden lernen mit unserem kosenlosen Trading Ratgeber

Ihr Heiko Behrendt - Leiter des Tradingservice Highspeed Daytrader

 

Über den Autor

Heiko Behrendt

Heiko Behrendt

Heiko Behrendt begann im Jahr 1998 mit Aktien zu handeln. Die gesammelten Erfahrungen und das angeeignete Fachwissen zur Technischen Analyse legten den Grundstein für seine hauptberufliche Tradertätigkeit, die er seit 2001 ausübt. Seither handelt er bevorzugt Indizes und Währungspaare im kurzfristigen Anlagebereich und hält Vorträge zu Börsenpsychologie und markttechnischem Trading. Gleichzeitig bietet er als Coach individuelle Analysen und Zielerarbeitung für Daytrader an. 2010 startete der Premium-Service "Highspeed Daytrader". Hier können die Teilnehmer dem Experten über die Schulter schauen und mit ihm gemeinsam im kurzfristigen Bereich traden. 2012 kam die erste DVD zum Thema Scalptrading für Einsteiger auf den Markt, in der Heiko Behrendt in 190 Minuten sein Wissen über die Märkte zur Verfügung stellt und zeigt, wie kurzfristiges Trading funktioniert. Folgen Sie Heiko Behrendt auf Guidants.

Kommentieren

(wird nicht angezeigt und nur für eine Bestätigungsmail verwendet,
um Fakebewertungen zu erschweren)

Anhang (max. 5 MB): (Dateiendungen: jpg, png, gif, pdf)
Wird geladen...