Swingtrading für Berufstätige im Rückblick & optimiert

10.04.2014 - 6 Minuten Lesezeit

Im letzten Webinar haben wir endlich einen genauen Rückblick auf die Echtgeldperformance meines Swingtradings für Berufstätige geworfen. Mit Fokus auf die vergangenen Monate habe ich versucht, möglichst objektiv Stärken und Schwächen zu identifizieren, und an Letzteren zu arbeiten. Eine Optimierung dieser jüngsten Trades hinsichtlich der empfehlenswerten Ausstiege hat bereits eine erfreulich einfache Empfehlung gebracht. 

Kurz als Zusammenfassung der Strategie: ich handle mit Blue-Chips aus dem Dax30 und dem CAC40 im Tageschart, die ich maximal 5 Tage lang halte. Nach Signalen wird gemütlich nach Börsenschluss gesucht. Primäre Beute sind Aktien, die in einem klaren Trend korrigieren. Und dann kleine bullische Tageskerzen (für Longsignale, kleine bearische Kerzen für Shortsignale) ausbilden, die überdurchschnittlich oft der Beginn eines neuen Swings darstellen. Die Stop-Buy Order wird dann knapp über das Tageshoch gelegt, bei einem engen Stop-Loss der 0,6-fachen ATR der letzten 10 Tage kombiniert mit einem Kursziel im Ausmaß der 1,8-fachen ATR. Sekundäre Signale sind jene, die sich aggressiv an einem Boden/Topp zeigen, und tertiäre jene in einer Seitwärtsrange, die zumindest breit genug für unser Kursziel ist.

Tradingbeispiel

Kurz demonstrieren möchte ich so ein Setup am Beispiel Infineon. Ich habe die Swings wie ich sie sehe farblich eingezeichnet, die Aktie befindet sich unzweifelhaft in einem klaren Aufwärtstrend. Die Korrektur der ersten Apriltage hat den Kurs wieder attraktiv für einen Wiedereinstieg gemacht, es folgte eine kleine bullische Tageskerze am 7. April (blaue Ellipse). Das verstehe ich unter einem primären Setup, eine simple Trendfortsetzung die jeder charttechnische Einsteiger auffinden kann. Die Crux liegt viel mehr im Ausstieg, und hierbei vertrauen wir auf eine langjährig bewährte Abstimmung. Die nur selten leicht angepasst werden muss, wie wir im Anschluss sehen werden.

Infineon im Aufwärtstrend

Jedenfalls legte ich die Stop-Buy Order knapp über das Tageshoch des 7. April auf 8,62€. Diese Marke wurde Tags darauf nicht erreicht, daher blieb mir ein Fehltrade erspart. Nun hat Infineon am 8. April aber erneut ein Longsetup ausgebildet. Weil der Aufwärtstrend immer noch intakt ist, und die Tageskerze bullisch ist. Die Situation ist zwar nicht mehr so ideal wie davor, wegen dem längeren unteren Schatten der Tageskerze, aber trotzdem noch akzeptabel. Die Stop-Buy Order zu 8,46€ wurde zur heutigen Eröffnung aktiviert. Die Vola der letzten 10 Tage betrug gestern 0,19. Der Stop-Loss kommt daher auf 8,46 - 0,6x 0,191 - 0,01 Spread = 8,336€ zu liegen. Das Kursziel ist den 3-fachen Abstand entfernt, wird also zu einem Kurs von 8,832€ erreicht werden wenn alles gut läuft. Wird keine dieser beiden Ausstiegsmarken erreicht in den nächsten 5 Tagen, macht der Zeitstopp dem Trade ein Ende.

Denn die Quintessenz dieser rein charttechnischen Strategie ist es, innerhalb kürzester Zeit zum Erfolg zu gelangen. Bewegt sich eine Aktie nicht rasch in Richtung unseres Kursziels, dann wird sie es sich nach Ablauf dieser 5 Tage nur noch selten anders überlegen. Sie sehen es ja auch an den eingezeichneten Swings dieser Aktie, dass 4-6 Tage die durchschnittliche Swingdauer bei Aktien ist. Durch die kurze Haltedauer können wir Fundamentaldaten großteils ignorieren, einzig geplante Unternehmenszahlen in den nächsten Tagen eines potentiellen Tradingkandidaten führen zu dessen Nichtberücksichtigung.

Optimierung

Jedenfalls wollten wir uns endlich mal wieder genauer ansehen, wie diese simple Strategie in den letzten Monaten abgeschnitten hat. Ich konzentriere mich in dieser Analyse auf die jüngsten sechs bis sieben Monate, die die größte Aussagekraft besitzen. In meinem Fall waren dies auch die schwierigsten Monate, seit ich diese Strategie mit Echtgeld verfolge.

Zwar blieb ich von größeren Drawdowns verschont (3x auf Holz geklopft), und mit mehr als 30% Zuwachs in einem halben Jahr für eine Strategie mit 15 Minuten Zeitaufwand pro Tag könnte man sich auch zufrieden geben. Allerdings habe ich erneut mit einer Seitwärtsphase zu kämpfen, und die Kennzahlen sind alles andere als erfreulich. Was primär der Trefferquote geschuldet ist, meinem Hauptziel was eine potentielle Verbesserung betrifft.

portfolio

kennzahlen

Da die Gewinner immer deutlich mehr abwerfen als die Verlierer, kann ich zwar sogar mit einer Trefferquote von 44% leben, die ich aktuell habe. Aber wenn ich diese nur um sagen wir 5% anheben könnte, wäre das Traderleben deutlich einfacher und stressfreier.

Es gibt jetzt viele Ansätze, mich hier wieder in wochenlange Optimierungen zu stürzen. Mein erster und immer der primäre Ansatz ist das Testen der Exitstrategie. Einen Einstieg in eine Position zu finden ist nicht so schwierig, optimal zu verkaufen, da liegt der Hund begraben.

Ich jage als meine seit Jahren bewährten Parameter der 0,6-fachen Vola für den Stop-Loss und der 1,8-fachen Vola für das Kursziel mitsamt dem Zeitstopp von 5 Tagen durch die Maschine. Das Ergebnis ist erfreulich, weil hilfreich:

Die erste Empfehlung lautet, den Zeitstopp wieder um 1 Tag zu verkürzen. Sie sehen das Ergebnis in der nachfolgenden Performancekurve, und es ist überzeugend. Ich schreibe "wieder", da ich erst im Laufe des Vorjahres den Zeitstopp von 4 auf 5 Tage verlängert habe. Auch damals als Ergebnis einer Optimierung, die besseren Ergebnisse der Vergangenheit ließen sich aber leider nicht fortsetzen.

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kennzahlen1

Da liegt ja auch der Hund begraben im Backtesting: nur weil etwas in der Vergangenheit gut funktioniert hat, muss es das nicht auch in der Zukunft tun. Aber ich vergleiche das immer gerne mit Fußball: ich schicke als Trainer ja auch jene 11 aufs Feld, die sich im Training bewährt haben, und keine zufälligen Spieler.

Diese simple Maßnahme ist jedenfalls schon mal sehr vielversprechend, speziell das letzte Monat wäre so angenehm verlaufen.

Was das Kursziel angeht, hier bleibe ich bei der 1,8-fachen Vola. Zwar hätte 1,9 leicht besser abgeschnitten, aber 1,8 ist der bessere Erfahrungswert, und kommt mir auch psychisch entgegen, da er früher erreicht wird.

Eine schwierige Entscheidung ist immer wieder der Stop-Loss. Reduziere ich den von aktuell 0,6 auf etwa 0,4, dann verschlechtert sich zwar die Trefferquote von 49,2% auf 43,3%. Dafür erlaubt mir der noch engere Stopp viel höhere Stückzahlen bei gleichbleibendem Risiko, das Chance-Risko-Verhältnis steigt ja bei gleichem Kursziel von 3 auf 4,5. Und das bringt am Ende sogar etwas mehr Kohle in die Tasche.

Aber das ist mir zum einen die viel unschönere Ertragskurve nicht wert, zum anderen kommt ja dazu: in der Praxis werde ich jetzt wohl noch öfter haarscharf ausgestoppt durch Slippage, die ich im Backtesting nicht sauber simulieren kann. Daher rechne ich am Ende mit einem besseren Endergebnis für meinen SL von 0,6.

Umgekehrt bringt es weiterhin nichts, großzügigere Stopps zu verwenden. Die Trefferquote steigt nur minimal, während das CRV verwässert wird. Das zeigt einmal mehr: wenn ein Trade gut ausgeht, dann zieht er meist vom ersten Tag an in die gewünschte Richtung.

Jetzt wäre da noch das spannende Kapitel völlig neuer Ausstiegsvarianten. Wie da wären Trailing Stopps, aber vor allem Break Even Stopps. Was Trailing Stopps angeht, da werfe ich nach einem Tag Testen schon wieder das Handtuch. Wie auch bisher bewährt sich für diese Strategie die simple Kombination Stop-Loss + Kursziel & Zeistopp am Besten. Dabei muss ich auch nicht ständig eingreifen und den Stopp nachziehen, was schon sehr bequem ist. Darum bezeichne ich diese Strategie auch gerne mit Fire & Forget.

Von Break Even Stops hingegen erwarte ich mir noch einmal eine spürbare Verbesserung der Trefferquote, von einer Filterung der Einstiege hingegen nicht. Beides wird in einem kommenden Artikel bzw. Webinar bearbeitet werden.

Eine ausführliche Untersuchung dieser Handelsstrategie finden Sie auch in "Das große GodmodeTrader-Handbuch: Die besten Strategien der Toptrader".

Das hier erwähnte Webinar finden Sie auch in aufgezeichneter Form im YouTube-Kanal von BrokerDeal.

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

Kommentare

  • Yvalio kommentierte am 15.09.2015 um 10:09 Uhr

    Hallo,

    kann es sein, dass es beim Stop-Loss einen Rechenfehler gibt?! Bei der Rechnung "8,46 - 0,6 * 0,191 - 0,01 Spread = 8,336 €" komme ich auf 8,3554 €

    Beste Grüße

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 15.09.2015 um 13:20 Uhr

    Vielen Dank für das Feedback. Aber ich komme trotzdem auf 8,3354. Man könnte die Formel auch so schreiben:
    8,46 - (0,6 * 0,191 + 0,01).

  • Yvalio kommentierte am 15.09.2015 um 13:47 Uhr

    Ah ja da lag bei mir ein Denkfehler vor. Mit dieser Schreibweise ist es für mich auch nachvollziehbar.

  • kbtrade kommentierte am 01.04.2015 um 12:08 Uhr

    Hallo Herr Hinterleitner,
    zum o.a. Artikel habe ich eine dumme und laienhafte Frage: Sie schreiben u.a. "Die Vola der letzten 10 Tage betrug gestern 0,19. Der Stop-Loss kommt daher auf 8,46 - 0,6x 0,19 - 0,01 Spread = 8,336€ zu liegen."
    Wie berechnen bzw. ermitteln Sie diese Vola?

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 01.04.2015 um 13:04 Uhr

    Die Vola, oder Average True Range (ATR) ist einfach die durchschnittliche Schwankungsbreite vom Tageshoch zum Tagestief über die letzten X Tage. Den ATR findet man in praktisch jeder Chartsoftware als Indikator, den man einfach in den Chart zieht und die Periode anpasst.

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