Social Trading mit MetaTrader: Goldgrube für Anbieter?

18.08.2015 - 8 Minuten Lesezeit

Social Trading eröffnet aktiven Tradern mit nachweislich erfolgreichen Strategien Chancen auf attraktive Zusatzverdienste: Plattformen wie ZuluTrade vergüten Signalprovider für Umsätze, die Follower generieren. Doch welche Plattformen eignen sich zum Verkauf von Signalen, wie lässt sich eine Strategie gut verkaufen und wie viel Geld kann letztlich verdient werden? Ein Überblick über den Social Trading-Markt aus Sicht von Signalanbietern.

MetaQuotes zählt zu den bekanntesten Marken im außerbörslichen Handel mit Währungen (Forex) und CFDs: Das Softwareunternehmen hat die Plattform MetaTrader4 und deren Nachfolger MetaTrader5 entwickelt. Die Technologie wird Brokern kostenlos zur Verfügung gestellt und erfuhr dadurch eine sehr große Verbreitung im Retail-Geschäft. Zu den wichtigsten Eigenschaften von MetaTrader zählt die einfach zu erlernende Programmiersprache MQL (=MetaQuotes Language), mit der sich Handelssysteme für MT4 und MT5 entwickeln und automatisiert über die Plattform umsetzen lassen.

Aus der großen Reichweite der MetaTrader-Plattformen resultierte ein Netzwerkeffekt: Da sehr viele Trader MQL nutzten entstand eine sehr große Community und eine sehr große Anzahl an Skripten für automatisierte Handelssysteme. Beides zusammen dürfte entscheidend dazu beigetragen haben, den Erfolg von Social Trading-Plattformen wie ZuluTrade zu verstärken.

Auf solchen Plattformen können Trader und Entwickler nicht nur selbst handeln, sondern ihre programmierten Handelsstrategien zusätzlich gegenüber einem großen Interessentenkreis vermarkten und damit zusätzliches Geld verdienen: Plattformen wie ZuluTrade (aber auch fxjunctionFXCOPYTradeofxstatmyfxbook u.v.m.) zahlen für jeden Trade, den ein anderer Nutzer kopiert.

Die Plattformen profitierten ebenso wie die Signalanbieter von der Technologie und der Reichweite der MetaQuotes-Plattform. Vor etwa drei Jahren folgte schließlich ein Strategiewechsel seitens MetaQuotes: Anstatt anderen das Geschäft mit Handelssignalen zu überlassen, wurde der lukrative und zukunftsträchtige Markt mit dem neu geschaffenen Dienst „MetaTrader Signals“ unter dem eigenen Dach lanciert. Parallel dazu wurde die joviale Haltung gegenüber Third-Party-Providern wie ZuluTrade und Co. aufgegeben. Der Signaldienst ist in fast jedem MT4 und MT5-Terminal weltweit verfügbar.

Auf den von MT4 abhängigen Teil des Social Trading-Marktes hatte das beträchtliche Auswirkungen: Der populärste Account bei ZuluTrade verzeichnet gerade noch ein Follower-Kapital von ca. 1 Mio. USD, nachdem die bestplatzierten Accounts vor zwei Jahren noch bis in den achtstelligen Bereich vorgedrungen waren.


Wie lässt sich als MetaTrader-Signalanbieter heute Geld verdienen?

Das junge Segment des Social Trading erlebt dadurch lange vor dem Reifestadium den ersten großen Umbruch. Dieser bringt neue Dienstleister wie SignalTrader und SignalStart hervor, die Alternative oder Ergänzung zum Signaldienst von MetaQuotes sein können, der natürlich eine der ersten Adressen für den Verkauf von Handelssignalen darstellt.

Derzeit gibt es sechs auch in Europa nicht ganz unbekannte Plattformen, die die notwendigen Erfordernisse im Hinblick auf das Regulierungsumfeld erfüllen:

  • MQL5 Signals
  • ZuluTrade
  • myfxbook (Autotrade)
  • Signaltrader
  • Signalstart
  • fxjunction

Die Nutzung der Plattformen als Signalanbieter ist z. B. mit Konten des Brokers ActivTrades möglich. Werden die jeweiligen Anforderungen an publizierte Handelssignale erfüllt, lassen sich damit Einnahmen generieren. Die technische Umsetzung ist allerdings ohnehin das kleinste Problem. Über Erfolg und Misserfolg im Social Trading entscheiden für Signalanbieter die Qualität und Stringenz der publizierten Signale und die Popularität und Reichweite des Brokers. Je mehr (am besten aufgeschlossene und finanzstarke) Nutzer eine Social Trading-Plattform erreicht, desto größer ist das Umsatzpotenzial für Signalanbieter.

Handeln Follower nicht über denselben Broker wie der Signalanbieter selbst, sollte dieser strategische Überlegungen im Hinblick auf die Handelskosten seiner Follower anstellen. Ein wesentlicher Teil dieser handelt möglich über Broker aus Übersee oder Asien. Diese Broker sind im Hinblick auf Spreads, Slippage etc. im FX Handel für gewöhnlich konkurrenzfähig. Im Handel mit CFDs auf deutsche oder europäische Indizes gilt dies dagegen häufig nicht. Im schlimmsten Fall büßt eine grundsätzlich tragfähige Strategie an Popularität ein, weil die gehandelten Märkte nicht zur regionalen Verteilung der Follower passen und diese aufgrund hoher Kosten abspringen.

Die Relevanz dieses Risiko belegen die nachfolgenden Screenshots: Der Signalanbieter handelt über ein Konto bei JFD Brokers. Ebenfalls bei diesem Broker dürften aktive Follower in der Slippage kein Problem sehen – Kunden aus Asien, Australien etc. dagegen schon. Das ist vor allem auf die eher periphere Behandlung europäischer Standardwerte durch Broker aus diesen Regionen zurückzuführen. Handelssignale, die im Wesentlichen auf den FX-Markt angewendet werden sind diesbezüglich universaler und damit besser verkäuflich.

signal-trading-mit-meta-trader-jfd-brokers

Wie die nachfolgenden Screenshots (Activtrades und Peppernstoe ) zeigen, ist die Verteilung schon deutlich entspannter.

signal-trading-mit-meta-trader-activtrades

 

signal-trading-mit-meta-trader-pepperstone

Signalanbieter und solche die es werden möchten sollten deshalb so früh wie möglich einige konzeptionelle Fragestellungen beantworten.

  • Was wird gehandelt? FX ist universal, DAX und Co. für Follower aus Fernost u. Übersee häufig teuer
  • Wie und wie oft wird gehandelt? Automatisiert oder manuell? Positionstrading, Scalping etc.?
  • Welche Reichweite bietet der Broker bzw. die Plattform?
  • Werden grundlegende Regulierungsstandards erfüllt? Ggf. Zielkonflikt zur Reichweite bedenken!
  • Käme ein bestimmter Broker auch unabhängig von Signalen nur für eigene Trades in Betracht?

Kriterien der Social Trading-Plattformen für Signalanbieter

Social Trading-Plattformen stellen unterschiedliche Anforderungen an Signalanbieter – zum Teil ausschließlich quantitative (z. B. Mindesteinzahlung), zum Teil auch qualitative (z. B. max. DD nicht > X %). Ein Überblick über die Kriterien der wichtigsten Plattformen.

  • MQL5: Keine Einschränkungen
  • ZuluTrade: ZuluRank 1-1.000, min. 12 Wochen aktiver Handel, max. DD nicht >30% oberhalb des Gewinns, durchschnittlicher Gewinn pro Trade min. 3 Pips
  • myfxbook Autotrade: Live MT4 Account mit min. drei Monaten Historie, DD <50%, Profit höher als DD und min. 10%, durchschnittlicher Gewinn pro Trade min. 10 Pips, min. 100 Trades insgesamt, Positionsdauer min. 5 Minuten, Martingale- und Gridsysteme sind ausgeschlossen, Kontostand min. 1.000 USD
  • SignalTrader: Kontostand min. 2.000 USD, Live MT4 Account mit min. drei Monaten Historie, DD <15%, min. 3% Profit
  • fxjunction: Keine Einschränkungen
  • SignalStart : Keine Einschränkungen

Vergütung für Signalanbieter auf Social Trading-Plattformen

Die Vergütungsmodelle auf Social Trading-Plattformen unterscheiden sich zum Teil grundlegend und sollten deshalb berücksichtigt werden. Ein Überblick über die wichtigsten Vergütungen auf wichtigen Plattformen.

  • MQL5: Abogebühr (ab 20 USD)
  • ZuluTrader: 5 USD pro Follower-Lot
  • myfxbook Autotrade: 5 USD pro Lot mit Gewinn
  • SignalTrader: 5 USD je Lot mit Gewinn-Lot
  • fxjunction: 1 USD je Follower-Lot (Creditpoint-System)
  • SignalStart my fxbook: Abonnementgebühren (30-500 USD)

Welche Broker werden durch die Plattformen als Signal Provider unterstützt?

  • mql5: alle MT4 Broker
  • ZuluTrade: AAAFX, ActivTrades, Pepperstone, Varengold, Instaforex
  • myfxbook Autotrade: fast alle MT4 Broker
  • SignalTrader: fast alle MT4 Broker
  • fxjunction: fast alle MT4 Broker
  • SignalStart myfxbook: fast alle MT4 Broker

Umsätze als Signalprovider in verschiedenen Szenarien

Die Verdienstmöglichkeiten richten sich trivialerweise nach dem Vergütungsmodell und der Reichweite der Plattform sowie dem sichtbaren Erfolg einer gehandelten Strategie. Viele Plattformen veröffentlichen Rechenbeispiele für die Verdienstmöglichkeiten.

So rechnet etwa myfxbook – 0,5 Pips pro im Gewinn abgeschlossenen Trade – vor, dass mit 250 Followern, 100 Trades pro Monat, einer Trade Ratio von 65 % und einem kumulierten Follower-Volumen von 80 Standard-Lots ein monatliches Einkommen von 26.000 USD möglich sei.

Werden diese Annahmen auf die Vergütungsmodelle der anderen Plattformen angewandt, ergibt sich für SignalTrader ein Gewinn in Höhe von ebenfalls 26.000 USD und für ZuluTrade ein Provisionsumsatz von 40.000 USD. Auf allen drei Plattformen zusammen lässt sich dieser Szenario-Rechnung zufolge also ein monatliches Einkommen von 92.000 USD erwirtschaften. Weitere 12.500 USD lassen sich mit jeweils 250 Abonnenten auf MQL5 und SignalStart verdienen.

Die so kolportieren 104.500 USD pro Monat basieren auf Kalkulationen im Grenzbereich der Plattformen: So viel kann verdienen, wer auf allen Plattformen zu den Top Tradern zählt. Vor allem für die ersten Monate empfiehlt es sich, die (dann immer noch optimistischen) Erwartungen im einstelligen Promille-Bereich dieser Größenordnung anzusetzen. Zudem ist fraglich, ob eine monatliche Perspektive sinnvoll ist: Besser sind langfristig erfolgreiche Strategien, mit denen Signalprovider über einen lange Zeitraum gute Ergebnisse erzielen und in der Folge wachsende Umsätze verzeichnen. Erfolg ist umso wertvoller, je länger er am Stück erzielt wird.


Welcher Verdienst ist realistisch?

Die durch die Plattformen präsentierten Einnahmekalkulationen sind dennoch nicht gänzlich aus der Luft gegriffen, wie ein Blick auf die Umsatzzahlen belegt.

  • MQL5: 542 zahlende Abonnenten je 20 Dollar = 10.840 Dollar
  • ZuluTrade: 1,681 Mio $ folgendes Kapital mit 2.604 Verfolgern, Junischätzung mit 0,01 Lot je Live Follower – 30 Trades * 2.604 * 0,6 (Abschlag Demo-Real) = 468 Lot * 5 Dollar = 2.343 $
  • myfxbook Autotrade: 1.782 Subscriber, Junischätzung Volumen 0,15 lot * 1.782* 0,6 (Abschlag Demo-Real)*20 Trades * 5= ca. 16.000 $
  • SignalTrader: 1.285 Follower, Junischätzung Volumen 0,09 lot* 1.285*0,6(Abschlag Demo-Real)*50 Trades * 5= ca. 17.350 $
  • fxjunction: 679 Follower, Volumen derzeit nicht bekannt/nicht publiziert
  • SignalStart: Es liegen keine Daten vor

Das monatliche Umsatzpotenzial für mehrgleisig aktive Top-Trader erreicht dieser Rechnung zufolge ca. 46.500 USD. Das Potenzial ist für SignalProvider relevant, auch wenn nicht jeder ausschließlich Top-Platzierungen erreichen kann: Je größer das maximale Potenzial, desto größer sind die Verdienstchancen auch bei gut platzierten Strategien aus der zweiten und dritte Reihe der Rankings.

Ob sich der Start in eine Social Trading-Karriere lohnt, hängt von der Qualität der Strategie ebenso ab wie vom Durchhaltevermögen. Letzteres dürfte insbesondere bei aktiven Tradern gegeben sein, die ohnehin auf eigene Rechnung handeln und im Social Trading einen Zusatzverdienst und/oder einen zusätzlichen Ansporn bzw. eine disziplinierende Maßnahmen sehen.

Generiert eine Strategie Follower und Umsätze, sollte sie mit so großer Reichweite wie möglich publiziert werden. Neben den vorgenannten Social Trading-Plattformen bieten sich dafür auch eToro  und ayondo an. Beide sehen für dauerhaft erfolgreiche Trader überdurchschnittliche Vergütungen vor. Ergänzen lässt sich das Engagement durch einen Account bei wikifolio: Erfolgreiche Wertpapierstrategien werden anderen Anlegern hier in Form eines Zertifikats zugänglich gemacht – gegen stark erfolgsorientierte Vergütungen. Und bis genügend Follower akquriert sind, muss Geld eben in aller Einsamkeit nur für das eigene Handelskonto verdient werden...

Über den Autor

BrokerDeal

Als Trader steht man vor der schier unmöglichen Aufgabe, seriöse Angebote von unseriösen zu trennen. BrokerDeal hat sich das Ziel gesetzt Broker, Börsenbriefe, Coachings und andere Services auf Herz und Nieren zu prüfen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Willst auch du zu diesem Team gehören nutze das Kontaktformular.

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