Ein paar Gedanken zum Zinseszinssystem

27.08.2014 - 3 Minuten Lesezeit

Stellen Zinseszinsen das Grundproblem unseres Geldsystems dar, oder müssen wir einfach akzeptieren, dass Zinsen schlicht nicht sicher sind? Der nachfolgende Artikel befasst sich mit dem Grundlagen des Zinseszinssystems und beleuchtet es aus unterschiedlichen Gesichtspunkten.

Der ewige Streit um den Zinseszins

Aktuell entbrennt wieder eine Diskussion über alternative Geld- und Finanzsysteme und so manch ein selbsternannter Experte hat schon längst den Feind des menschlichen Miteinanders ausgemacht – das Zinseszinssystem. Im Zuge dessen haben sich zahlreiche Ströme gebildet, die die Abschaffung des Zinseszinses fordern.

Generell sollte an dieser Stelle gesagt werden, dass das Ende des Zinseszinses auch gleichzeitig das Ende des Zinses bedeuten würde. Denn würde der Zinseszins angeschafft, würde sich der Zinsertrag in Geld zweiter Klasse verwandeln. Es könnte nicht wieder angelegt und müsste dauerhaft gekennzeichnet werden. Auch wenn es nicht völlig unmöglich klingt, ist es in der Praxis schwerlich umsetzbar. So müsste mit der gleichzeitigen Abschaffung des Zinses das Zinseszinssystem vollständig gekippt werden.

Die Grundlagen des Zinseszinseffekts

An dieser Stelle soll nicht erläutert werden, weshalb der Zins richtig und unverzichtbar ist, nachfolgend sollen die Grundlagen des Zinseszinseffekts und dessen Implikationen behandelt werden.

Als Standardbeispiel für den unumstößlichen Zusammenbruch und der daraus folgenden Unmöglichkeit eines Zinseszinssystems steht der „Josefpfennig“. Nehmen wir an, vor genau 2014 Jahren hatte Josef für Jesus eine langfristige Anlage getätigt. Dabei gehen wird jetzt einfach davon aus, dass es schon damals den Euro gab und die Höhe der Anlage betrug genau einen Euro und zwar zu einem Zins von 3 Prozent p.a. Wenn man die Steuer vernachlässigt, ergibt sich bis zu aktuellen Jahr die folgende Rechnung:

X (Stand im Jahr 2014) = 1 Euro x (1,03)^2014 = Anfangsvermögen multipliziert mit (1 + Zinssatz) und hoch Anzahl der Zinsperioden

Das Ergebnis beträgt etwa: 7,14 x 10^25 (Das ist eine Zahl mit 25 Nullen. Im Vergleich: Eine Billion hat 25 Nullen)

Wie auch im oberen Beispiel gut zu sehen: Der dem Zinseszinssystem innewohnende Effekt des exponentiellen Wachstums ist beeindruckend. Als Vergleich nachfolgend noch ein Beispiel dafür, wie viel aus einem Euro in einem Zeitraum X bei einem Anlagezins von 3 Prozent p.a. werden wird, wenn die Zinsen wieder angelegt werden:

10 Jahre1,35 Euro
50 Jahre4,38 Euro
100 Jahre300 Jahre19,22 Euro7098,51 Euro
400 Jahre136423,72 Euro
500 Jahre2,62 Mio. Euro

 

Wenn Sie das Wachstum weiterspinnen und somit von noch größeren Zeiträumen oder auch von höheren Zinssätzen ausgehen, erreichen Sie schnell Summen, in denen Sie dann mehr Euros enthalten, als es Atome im Weltall gibt. (Die genaue Anzahl ist eigentlich nicht bekannt, aber Expertenschätzungen gehen von einer Zahl mit bis zu 90 Nullen aus)

Aufgrund dieser Tatsache lässt sich zweifelsfrei feststellen, dass dieses System nicht funktionieren kann. Diese Rechnung beweist vor allem zwei Punkte:

  • Es kann keinen Zins geben, der auf Dauer sicher ist
  • Wird die erstgenannte Tatsache mit Interventions- und Manipulationstechniken umgangen, hätte dies unweigerlich Inflation zur Folge.

Das Gleichgewicht zwischen Geldmengen- und Wirtschaftswachstum

Kommen wir zu unserem Beispiel zurück: Würde es sich bei Josefs Welt im Verlauf des Anlagezeitraums um ein freies Wirtschafssystem handeln, wären unter anderem Josefs Banken schon mehrere Male pleite gegangen. Daraus wären Umschuldungsverhandlungen gefolgt und so weiter. Auf diese Weise kommt das Geldmengenwachstum ins „natürliche“ Gleichgewicht mit dem Wirtschaftswachstum, da im Laufe der Zeit immer wieder Geld „vernichtet“ wird.

So ist es in jedem Fall notwendig, Bankrotte in freien Wirtschaftssystemen zuzulassen – und zwar sowohl auf mikroökonomischer Ebene als auch auf der Makroebene, die dem Zweck der Bereinigung finanzieller Ausschweifungen dient.

Obwohl in unserer Form des Kapitalismus Pleiten grundsätzlich erlaubt sind, ist es im Bankensystem nicht so. Hier werden Pleiten nicht zugelassen und diese Vorgehensweise ist nicht nur vollkommen falsch, sondern auch unmoralisch. Im Grunde heißt das nämlich, dass das Geld einiger weniger auf Kosten aller anderen „gerettet“ wird.

Fazit

Meiner Meinung nach ist weder der Zins noch der Zinseszins die Wurzel des Übels. Wir müssen einfach nur akzeptieren, dass es, wie in vielen Bereichen des Lebens, auch bei dem Zins keine Sicherheit geben kann. Wir müssen lernen, auch ungünstige Entwicklungen zu akzeptieren und auch zuzulassen, dass es Krisen geben muss, in denen einige alles verlieren.

 

Über den Autor

Daniel Kühn

Daniel Kühn

Daniel Kühn entdeckte seine Leidenschaft für die Finanzmärkte bereits zu Beginn seines Studiums der Betriebswirtschaft.Der Börsengang der Deutschen Telekom im Jahre 1996 markierte den Startpunkt einer meist harmonischen Langfristbeziehung mit dem Thema Trading. Der überzeugte Markt-Liberale interessiert sich besonders für politische und makroökonomische Fragen sowie deren Zusammenhänge, tradet aber auch aktiv Hebelprodukte und SmallCaps.Daniel Kühn leitet gemeinsam mit Thomas May die Redaktion von GodmodeTrader. Folgen Sie Daniel Kühn auf Guidants.

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