Die Philosopie der Markttechnik

11.09.2014 - 6 Minuten Lesezeit

Die Welt des Börsenhandels lässt sich unter anderem  in zwei Lager unterscheiden – diejenigen die mit der Fundamentalanalyse arbeiten und diejenigen, die in erster Linie auf den Chart schauen, die Charttechniker. In die zweite Kategorie fallen auch die Markttechniker. Der folgende Artikel befasst sich nicht mit den Unterschieden zwischen der Fundamentalanalyse und der Analyse auf Basis der Markttechnik, sondern beleuchtet vor allem die Blickwinkel und Facetten des markttechnischen Tradings.

Über Analyseansätze lässt sich streiten

Wie in vielen anderen Bereichen auch, lässt sich auch beim Trading über die unterschiedlichen Ansätze diskutieren. Wer Fünf Trader nach dem voraussichtlichen Verlauf eines Wertpapiers fragt, wird höchstwahrscheinlich fünf unterschiedlichen Meinungen und Prognosen hören. Jeder Händler hat individuelle Vorgehensweisen, wenn es um die Kursanalyse geht und letztendlich ist entscheidend, wie sich die Analyse und die praktische Umsetzung auf den eigenen Kontostand auswirken.

Die Zeiteinheit im markttechnischen Trading

Wenn es um das Thema Marktechnik geht, kommt man nicht an den Werken des Autors Michael Voigt vorbei und manch einem Trader eröffnet sich nach der Lektüre ein ganz neuer Blick auf die Welt der weltweiten Märkte.

Wie auch Voigt beschreibt, besteht der grundsätzliche Ansatz der klassischen Markttechnik darin, dass beinahe jeder Chart aus Bewegung und Korrektur besteht. Selbst eine Seitwärtsphase besteht aus diesen beiden Verlaufsrichtungen – allerdings in einer kleineren Zeiteinheit. Und das ist auch die erste Hürde des markttechnischen Tradings – die Zeiteinheit.

Jeder Trader, egal auf welche Weise er die Kursanalyse angeht, hat seine Orders im Orderbuch stehen. Jeder Händler verfolgt dabei ganz eigene Ziele. Der eine will seine Position vielleicht nur wenige Sekunden halten, der andere über einen langen Zeitraum von Stunden, Tagen oder sogar Monaten.

Durch die Gesamtheit dieser Orders entstehen die Trends bzw. die Bewegungen und Korrekturen eines Kursverlaufs. Je mehr Kapital im Spiel ist, desto größer werden im Handel die Zeiteinheiten gewählt – das ist beispielsweise mit einem riesigen Ozeandampfer zu vergleichen, der zum Wenden wesentlich mehr Zeit und Platz braucht als ein deutlich kleineres Speedboot.

Die Qual der Wahl

Die unterschiedlichen Zeiteinheiten, auch unterschiedliche Trends genannt, stellen die Schwierigkeit bei der Markttechnik dar. Welche Zeiteinheit ist für welchen Fall die richtige? Ist der Tickchart passend, der 1-Minuten Chart oder doch eher der fünfer Chart? Eignet sich der kleinste, der kleine, der mittlere oder vielleicht eher der große Trend am besten?

Wer entsprechende Foren und Diskussionsgruppen im Netz besucht, wird feststellen, dass die Markttechnik durchaus kontrovers diskutiert wird und oft stellt sich gar der Eindruck ein, dass es in der klassischen Markttechnik keine einheitliche Auslegung gibt. Es gibt sie allerdings und auch hier bietet die Lektüre von M. Voigt eine hervorragende Möglichkeit, sich eingehend zu informieren.

Die richtige Zeiteinheit ist auch eine Frage der eigenen Persönlichkeit

Wer sich mit dem Thema Markttechnik auseinandersetzt, wird sich im Vorfeld die Frage stellen müssen, welche Zeiteinheit die individuell richtige ist. Für die letztendliche Entscheidung spielen dabei Faktoren, wie persönliche Lebensumstände, das Kapital, das zur Verfügung steht und nicht zuletzt der eigene Charakter eine große Rolle.

Stellen Sie sich die Frage danach, wie viel Zeit Sie in das Trading investieren können oder möchten: Können Sie es sich leisten, täglich mehrere Stunden vor dem Computer zu sitzen oder haben Sie einen Hauptberuf, der Ihnen diese Freiheiten nicht lässt?

Sind Sie eher der ruhige Trader, der von Haus aus diszipliniert und organisiert ist? Oder sind Sie eher unruhig und können es nicht lange an einem Platz aushalten? Gehören Sie zu der letztgenannten Gruppe der Trader, würde das Handeln im Tageschart für Sie eher zu einer Qual als zu einem konstruktiven Vergnügen. Das Trading im Tageschart kann nämlich auch bedeuten, tagelang auf ein Signal zu warten oder einen Stop nicht nachziehen zu können oder zu dürfen.

Emotionen immer im Griff haben

An dieser Stelle muss gesagt werden, dass es ganz unabhängig vom persönlichen Charakter eines Traders eine Sache gibt, die jeder Händler braucht: Kontrolle der eigenen Emotionen. Niemand, der seine Emotionen nicht im Griff hat, wird auf Dauer an den Finanzmärkten erfolgreich sein können. Warum sind lediglich 5 Prozent aller Trader dauerhaft erfolgreich? Weil sie es gelernt haben, Gefühle wie Angst oder Gier zu kontrollieren und profitieren somit von den Schwächen der übrigen 95 Prozent.

Wer außerdem nicht lernt, im Tageschart erfolgreich zu handeln, wird auch in kleineren Zeiteinheiten dauerhaft erfolglos bleiben. Wer es also schafft, über einen längeren Zeitraum mit Gewinn im Tageschart zu handeln, wird mit der Zeit auch gar keine Lust verspüren, mit klopfendem Herzen und schweißnassen Händen vor dem Computer zu sitzen und einen 5 Minuten Chart zu handeln. Wieso auch? Mit entsprechender Diversifizierung ist es durchaus realistisch, das eigene Kontoguthaben innerhalb eines Jahres zu verdoppeln – und zwar im Tageschart.

Die 1-2-3 Punktezählung im markttechnischen Trading

Wer sich eingehend mit der klassischen Markttechnik befasst hat, wird die 1-2-3 Punktezählung kennen. Doch wie wird diese Zählung in der Praxis eingesetzt? Wo setzt man den ersten Punkt an und wo beginnt somit der Trend? Wo wird der zweite Punkt platziert und aus wie vielen Kerzen darf eine Korrektur bestehen? Wo gehört der dritte Punkt hin? All diese Fragen lassen manch einen Trader verzweifeln, doch der Einsatz der Punktezählung ist in der Realität nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheint.

Wenn Sie sich mit der Zeit das tiefe Wesen der Markttechnik verinnerlichen, wird das Trading für Sie nur noch ein Mittel zum Zweck sein. Denn erfolgreiches Trading ist in der Praxis vor allen Dingen eins: Langweilig. Auch wenn das schwer zu glauben ist, wenn Sie den Weg der professionellen Trader gehen, werden Sie feststellen, dass es tatsächlich so ist.

Finden Sie die Zeiteinheit und den Trend, die zu Ihnen passen

Bevor Sie damit beginnen können, erfolgreiches Trading zu betreiben, müssen Sie eine Zeiteinheit finden, die zu Ihnen passt. Wenn Sie diese gefunden haben, zählen im Grunde vor allem zwei Dinge: Der aktuelle Trend und vielleicht noch den Trend, der davor liegt.

Versuchen Sie die Zeiteinheit mit einem Boot zu vergleichen, mit dem sie auf dem Börsenmeer unterwegs sind. Worauf sollten Sie achten? Natürlich zunächst auf die Großwetterlage. Dann achten Sie auf den Kahn, der sich vor Ihnen befinden und eventuell auch auf den Dampfer, der vor dem Kahn seine Fahrrinne zieht. Wenn Sie in den Rinnen, der vor Ihnen liegenden Boote fahren, kann Ihnen im Grunde nichts passieren und das Tretboot, das hinter Ihnen fährt, muss Sie nicht interessieren.

Befindet sich ein Wochenchart also innerhalb einer Korrekturzone und nähert sich dem letzten Punkt zwei, um vielleicht einen Trend fortzusetzen, sollten Sie sich im Tageschart Ihre Signale suchen – und zwar nicht mehr und nicht weniger. Trading kann also manchmal so einfach sein – einfach und zugleich manchmal so schwer.

Verpassen Sie auch nicht meine beiden thematisch passenden Artikel "Die Grundsätze der Markttechnik" sowie "10 goldene Regeln der Markttechnik".

Sollten Sie noch Fragen haben, stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung. Sofern Sie Interesse an einer markttechnischen Ausbildung haben sollten, sind Sie jederzeit eingeladen, meinen Premiumdienst „Gabels Markttechnik Paket“ zwei Wochen kostenfrei zu testen, Mitglieder von BrokerDeal finden im Mitgliederbereich auch einen 20%igen Rabattcode.

Herzlichst Ihr
Markus Gabel

Über den Autor

Markus Gabel

Markus Gabel

Markus Gabel ist geprüfter Vermögensberater und seit dem Jahr 2000 im Finanzbereich tätig. Sein Faible: der Devisenhandel.Seit 2008 ist er auf die Technische Analyse bzw. die Markttechnik spezialisiert – über alle Märkte hinweg. 2009 begann Markus Gabel seine aktive Tätigkeit mit einem Blog für Einsteiger und Hobbytrader sowie einer täglichen Kolumne über die wichtigsten Devisenpaare. Damit erreichte er regelmäßig Tausende von Lesern. Sein Handelsansatz liegt im Handel aus der Korrektur heraus, von ihm auch „Trading mit der Ballkönigin“ genannt.Bei GodmodeTrader ist Markus Gabel seit 2012 und betreut den Trading-Service Gabels Markttechnik Paket. Er fand sein Zuhause im Tageschart mit den Signalgebern aus dem Wochen- und Monatschart. Mit dieser ruhigen Art des Tradings richtet er sich vor allem an die nebenberuflichen Trader, die ihr Kapital selbst auf sinnvolle Art und Weise verwalten wollen.Folgen Sie Markus Gabel auf Guidants.

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