Das Trading Tagebuch als Werkzeug zur Selbstentwicklung des Traders

18.04.2016 - 8 Minuten Lesezeit

Seriöses Trading ist eine Profession, die einen schwierigen Lernprozess voraussetzt. Und welchen positiven Einfluss kann ein Lehrer oder Mentor für die Entwicklung zum professionellen Trader haben? Würde Trading sich nur auf theoretisches Wissen gründen, das man sich anlesen könnte und dann nur anzuwenden hätte, so wäre dem Anfänger wohl mit einer Liste guter Bücher und einigen Webseiten geholfen. Er könnte sich dann, sofern er denn über ein gewisses Mindestmaß an Intelligenz verfügt, das erforderliche Wissen vergleichsweise leicht eigenständig aneignen. Trading stellt aber eine anspruchsvolle professionelle Kompetenz dar – es gründet sich nicht nur auf Fachwissen, sondern besteht auch wesentlich in einem Können.

Anfänger und Lehrer

Bei anspruchsvollen Tätigkeiten wie dem Trading (und vielen anderen beruflichen, aber auch alltäglichen Tätigkeiten wie Sport, Autofahren usw.) geht es vor allem um Vollzüge und darum, sich auf eine richtige (erfolgbegünstigende) Weise zu verhalten. Nicht, dass nicht auch umfangreiches Fachwissen Voraussetzung wäre, aber Trading beschränkt sich eben bei Weitem nicht darauf, einfach nur angelerntes Wissen abzurufen.

Trading Mentor

Die Rolle des Mentors

Ein Anfänger ist schon per Definition jemand, der Dinge falsch oder nur halb richtig macht. Der Anfänger macht viele Fehler und seine Erfolge sind häufig nur Glückstreffer. Eben deshalb ist ein Lehrer auch so nützlich: Er beurteilt (von einem kompetenteren Standpunkt aus) die Tätigkeit des Schülers, greift korrigierend ein und unterstützt und verstärkt die richtigen Verhaltensweisen.

Den Lern- und Entwicklungsprozess anzuleiten, gehört also zu den wichtigsten Funktionen eines Lehrers, Trainers oder Mentors.

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Trading als Selbstlernprozess

Der angehende Trader muss für sich selbst ein Konzept zur Trader-Ausbildung entwickeln, und zwar ein solches, das Trading als Selbstlernprozess begreift.

Nun ist es im Bereich des privaten Trading leider die Regel, dass der Anfänger nicht von einem persönlichen Lehrer an die Hand genommen wird, sondern auf sich selbst gestellt ist. Seriöse Ausbildungsprogramme für Privatpersonen sind oftmals rar und zu Recht nicht billig. Dies stellt den angehenden Trader vor ein grundsätzliches und gewichtiges Problem: Er muss seine Aus- und Weiterbildung weitestgehend selbst organisieren.

Wer Trader in einem professionellen Sinne werden will, muss also ein Verständnis davon haben, wie er dies werden kann.

Dazu gehört nicht nur, zu wissen, was man erlernen sollte, sondern auch wie und auf welche Weise.


Das Trading Tagebuch / Trading-Journal

Trading Tagebuch, Trading JournalDie Schwierigkeit ist also nicht nur, dass der angehende Trader evtl. ohne einen Lehrer auskommen muss, sondern dass er selbst diese Rolle übernehmen, also zugleich Schüler und Lehrer sein muss.

Ist das überhaupt möglich?

Ja und Nein.

Eine erfolgreiche Trading-Ausbildung ohne Lehrer ist nur dann möglich, wenn der angehende Trader immer wieder sich selbst und seine eigene Entwicklung analysiert, beurteilt, kritisiert und in die richtige Richtung lenkt.

Die Notwendigkeit eines Trading Tagebuchs

Zu diesen Zwecken ist das Führen eines persönlichen Trading Tagebuchs unverzichtbar. Gemeint ist damit das schriftliche Festhalten aller für das eigene Trading und für die Entwicklung zum Trader relevanten Beobachtungen, Überlegungen, Handlungen und Erfahrungen.

Um dies noch etwas weiter auszuführen:


Beobachten und Analysieren

Der Trader sollte alle seine Marktbeobachungen und Überlegungen schriftlich festhalten. Dies umfasst fundamentale Gesichtspunkte, Nachrichten-Ereignisse und ihre Auswirkungen auf die Märkte, technische Analysen der Charts usw.

All dies festzuhalten ist wichtig, damit der Trader im späteren Rückblick prüfen kann, ob er mit seinen Markteinschätzungen und -erwartungen richtig lag. Und wenn nicht, so sollte nach einer Erklärung gesucht werden, warum man falsch lag.

Jeder erfahrene Trader kennt es: „Etwas Ähnliches habe ich doch schon einmal erlebt, damals erwartete ich x, es geschah dann aber y, weil …“.

Wir halten unsere Beobachtungen und Analysen fest (z. B. mit Zeichen- und Kommentarfunktion im Chart, den wir dann auch ausdrucken oder abspeichern) und protokollieren, was in den von uns beobachteten Märkten geschieht.

Denn was auf solche Weise schriftlich fixiert und später nochmal durchgegangen wird, verankert sich im Denken und bildet eine solide Basis für weitere Überlegungen und Beobachtungen (vielleicht schon am folgenden Handelstag). Nicht zuletzt lässt sich nach einigen Monaten im Rückblick dann auch sehr gut sehen, welche Fortschritte man im eigenen Verständnis der Märkte gemacht hat.


Detailierte Dokumentation der Trades

Harte Fakten

Der Trader sollte seine Trading-Ideen notieren und über alle real eingegangenen Trades genau Buch führen. Dies umfasst nicht nur exakte Zeiten, Ein- und Ausstiegspunkte und Positionsgrößen.

Bei eingegangenen Trades muss auch präzise festgehalten werden, aus welchen Gründen wir in Trades ein- und ausgestiegen sind, damit wir im späteren Rückblick analysieren können, ob dies gute Gründe (die im Markt liegen) waren, oder ob wir aus irrationalen Motiven (die in uns liegen) heraus handelten.

Die objektiven, harten Fakten der Trades – Zeiten, Ein- und Ausstiegspunkte, Positionsgrößen usw. – sollten in einer Tabelle (idealerweise in einer Tabellenkalkulation) so eingetragen werden, dass eine Auswertung über längere Zeiträume möglich ist. Jede halbwegs seriöse Handelsplattform bietet Möglichkeiten, solche Daten bequem zu exportieren.

Weitere wichtige zu dokumentierende Fakten

  • Haben wir technische Fehler gemacht?
    (War der Stop zu eng, haben wir zu früh oder zu spät geschlossen? usw.)
  • Wie ist die Trefferquote?
  • Wie das Chance/Risiko-Verhältnis?
  • Wurden die Regeln des Handelsansatzes eingehalten?
    (z. B. das tägliche Verlustlimit nie überschritten)
  • Veränderte sich die Profitabilität über die Zeit hinweg?

Der Trader kann so sein Trading-System bzw. sich selbst und seine Performance beurteilen und auch erkennen, an welchen Stellschrauben er drehen bzw. wo er sich verbessern muss.


Reflektieren der eigenen Emotionen

Der Trader sollte alle seine im Kontext des Trading auftretenden emotionalen Erfahrungen protokollieren.

Trading geschieht niemals völlig emotionslos, sondern gerade für den Anfänger – und dies ist eine der größten Hürden und gefährlichsten Fallstricke – kann Trading ein wahrhaftes Wechselbad der Gefühle sein.

Jeder Trader sollte sich mit den folgenden Fragen auseinandersetzen

  • Warum bin ich den Trade eingegangen?
  • Wie fühlte ich mich vor dem Trade?
  • Wie nachdem ich die Position eingegangen bin?
  • Welche Emotionen stellten sich ein, als die Position ins Minus lief?
  • Warum habe ich den Stop Loss verschoben?
  • Wie fühlte ich mich, nachdem ich einen Verlust realisieren musste?
  • Wie als ich einen Gewinn verbuchen konnte?
  • Wie war die Stimmung, nachdem der Handelstag abgeschlossen war?

Und viele weitere derartige Fragen, und für jede dieser Fragen auch: Warum? Je detaillierter und ehrlicher der Trader dies (für sich selbst) niederschreibt, desto besser.

Die eigene Emotionalität gehört zu den größten Feinden des Traders. Nur durch bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Emotionalität kann diese (einigermaßen) in den Griff gebracht werden.

Auseinandersetzung heißt hier, sich über Ursachen und Wirkungen der eigenen Emotionen beim Trading klar werden:

Warum und wie stark empfinde ich Angst, Gier, Frust, Euphorie usw.? Zu welchen Handlungen treiben mich diese Emotionen oder wovon halten sie mich ab (Overtrading, zu frühes oder zu spätes Schließen von Postionen, Verschieben von Stops, Überschreiten des Tagesverlustlimits usw.)?

Es ist wichtig, die eigenen Empfindungen schriftlich festzuhalten, um später das Trading Tagebuch zur Hand zu nehmen und mit klarerem Kopf eine nüchterne Analyse und Reflexion durchzuführen.

Eine solche Auseinandersetzung erfordert eine gewisse Distanz, sowohl zeitlich als auch emotional.

Manch einem mag es dabei nützlich sein, sich vorzustellen, er denke dabei nicht über sich selbst nach, sondern über eine andere Person und sei nun aufgefordert, ihr Ratschläge zu geben. Natürlich geht es dabei nicht um ein Tagebuch im klassischen Sinne: Hier sollen nicht die Begebenheiten des Alltags oder Geheimnisse festgehalten werden, sondern lediglich das Leben als Trader.

So oder so sollte ja professionelles Trading vom restlichen Alltag weitgehend abgeschottet sein. Weder sollte man Traden, wenn man im sonstigen Leben besonderen Belastungen (Krankheit, Sorgen usw.) ausgesetzt ist, noch sollte man nebenher traden, wenn man eigentlich mit anderen Aufgaben beschäftigt oder gar unterwegs ist. Und auch sollten die im Trading sich einstellenden Emotionen nicht in andere Bereiche des Lebens mitgeschleppt werden.


Das Trading-Journal als Werkzeug zur Selbstentwicklung des Traders

Ein Trading Tagebuch dient also nicht einfach nur der Buchführung. Vielmehr stellt es eine wichtige Komponente in der eigenen Entwicklung zum (besseren) Trader dar:

Es ermöglicht dem Trader, sich möglichst objektiv und distanziert selbst zu analysieren und zu beurteilen.

Eine solche Beurteilung hat, wenn sie ehrlich, diszipliniert und regelmäßig durchgeführt wird, einen korrigierenden und entwickelnden Effekt. Wer sich beobachtet und sich täglich klar macht, wo seine immer wiederkehrenden Schwachstellen im Trading liegen, der wird eher dazu neigen, diese abzulegen, als jemand, der zwar vielleicht vage um seine Fehler weiß, sie aber ausblendet oder verdrängt, anstatt sich damit auseinanderzusetzen.

In welcher Form ein solches Trading Tagebuch geführt wird, ob handschriftlich oder auf dem Computer, hängt von den individuellen Vorlieben ab. Auf jeden Fall muss handelstäglich Buch geführt werden über objektive harte Fakten wie eingegangene Trades, Gewinne, Verluste usw. Chart-Analysen sollten mit Datum versehen abgespeichert oder ausgedruckt werden.

Für psychologisch-emotionale Selbstbetrachtungen eignet sich möglicherweise das handschriftliche Führen eines klassischen Tagebuchs eher, als das Schreiben in der Textverarbeitung auf dem Computer.


Fazit

Zum Abschluss sei noch auf einen wichtigen Punkt hingewiesen: Streng genommen lässt sich zwischen Traden lernen und Trader sein sowieso keine sinnvolle Trennung machen. Die Entwicklung des Traders ist niemals abgeschlossen: Nicht nur kann jeder Trader sich immer noch verbessern, sei es hinsichtlich seiner Kenntnisse, seiner Disziplin oder seiner Technik, sondern der Markt selbst ändert sich unablässig und verlangt deshalb vom Trader eine ständige Anpassung. Ein Trading Tagebuch ist daher nicht nur für den Anfänger Pflicht, sondern für jeden Trader – sofern er nicht immer bloßer Anfänger bleiben will.

Über den Autor

Team BrokerDeal

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