Copy Trading: Mit einem Klick zum Super-Trader?

27.06.2016 - 8 Minuten Lesezeit

Top-Renditen an den internationalen Finanzmärkten erzielen, ohne großen Lern- und Lehrgeldaufwand verkraften zu müssen? Copy Trading verspricht nicht weniger als das: Jedermann soll durch die Echtzeit-Kopie der Handelsstrategien anderer auf seinem eigenen Konto dieselben Gewinne erzielen können wie professionelle Daytrader. Und letztere finden mit Copy Trading eine zusätzliche Einnahmequelle. Zu schön, um wahr zu sein?

Was ist Copy Trading?

Copy Trading – auch als Social Trading bezeichnet – beschreibt als Oberbegriff Plattformen, deren Nutzer ihre eigenen Transaktionen veröffentlichen und ihre Handelsstrategien in der ganz konkreten Umsetzung damit anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Die Urheber von Handelsstrategien- bzw. Signalen werden dabei häufig als Trader, die Konsumenten der Signale als „Follower“ bezeichnet – in Anlehnung an konventionelle soziale Netzwerke, in denen statt Trades Nachrichten, persönliche Botschaften etc. geteilt werden.

Es gibt weitere Parallelen zwischen Social Trading und sozialen Netzwerken:

Nutzer können z. B. festlegen, wessen Signale sie auf Ihrer „Pinnwand“ sehen möchten. Vergleichbar mit professionellen Nutzern bei Facebook und Co versuchen Urheber von Handelsstrategien, viele Follower zu gewinnen. Die damit verbundene Reichweite steht im direkten Zusammenhang mit den Erlöszielen der Trader.

Signalanbieter werden auf den meisten Plattformen für Transaktionen vergütet, die auf ihre eigenen Follower zurückzuführen sind. Die Vergütung wird durch die Plattformen aus dem Deckungsbeitrag generiert, der mit dem Umsatz erlöst wird – etwa der Spread bei außerbörslichen FCD/FX-Brokern oder Ausgabeaufschläge, Gewinnbeteiligungen etc. bei Wertpapieren.

Wenn es eine klare Abgrenzung zwischen „Social Trading“ und „Copy Trading“ allein aufgrund des Begriffs gibt, besteht diese in der (optionalen) Möglichkeit zur automatisierten Umsetzung von Handelsstrategien durch Follower. Diese „abonnieren“ die Trades von Signalanbietern und partizipieren dadurch nahezu 1:1 von deren Performance. Parameter wie z. B. die Positionsgröße können dabei individuell auf das Follower-Konto bezogen werden.


Welche Varianten und Anbieter von Copy Trading gibt es?

Es gibt verschiedene Varianten von Copy Trading bzw. Social Trading im weiteren Sinne.

Meistens beziehen sich Handelssignale von Nutzern auf den außerbörslichen CFD und FX-Handel, über den die Umsetzung durch Follower ebenfalls erfolgt. Das ist z.B. bei eToro und ayondo der Fall, die zu den größten Anbietern in diesem Bereich zählen.

Hinter ayondo steht eine deutsche GmbH für Social Trading, zu der mittlerweile ein britischer CFD Broker gehört, über dessen Plattform die Handelssignale umgesetzt werden. Konsumenten der Handelssignale finanzieren die Vergütung der Signalanbieter (je nach Zertifizierungsstufe 1-5 USD pro Follower-Lot) durch einen Aufschlag auf die Spreads.

eToro ermöglicht Followern die Umsetzung von Handelssignalen über den „CopyTrader“ ebenfalls über eine hauseigene Plattform und verlangt dafür keinen expliziten Aufschlag auf die Spreads und Kommissionen. Zu den Eigentümern von eToro zählt seit April 2015 mit CommerzVentures u.a. eine Tochtergesellschaft der Commerzbank.

Screenshot Handelsblatt.com

Screenshot Handelsblatt.com

ZuluTrade verfolgt einen anderen Ansatz: Hier werden die Nutzer an Broker vermittelt, mit denen Kooperationsangebote bestehen. Die Handelssignale werden über eine Schnittstelle umgesetzt. ZuluTrade erhält Umsatzprovisionen von Brokern.

Das Wiener Unternehmen wikifolio verfolgt einen ganz anderen Ansatz: Erfolgreiche Strategien werden über börslich handelbare Zertifikate abgebildet. Es fallen jährliche, prozentuale Gebühren sowie eine Gewinnbeteiligung an, mit der die Vergütung der Trader finanziert wird.

Screenshot Wikifolio

Screenshot wikifolio.com: Das wikifolio eines Nutzers

Darüber hinaus beginnen verschiedene Broker mit der Integration von Social Trading in ihr Angebot. Auch der Bezug von Handelssignalen über eine MetaTrader-Community ist möglich. MetaTrader ist eine bei zahlreichen CFD- und FX Brokern im Einsatz befindliche Handelsplattform.


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Welche Qualitätsmerkmale für Copy Trading Plattformen gibt es?

Es lassen sich spezifische Qualitätskriterien für Copy Trading Plattformen formulieren, die über allgemeine Fragen zu Handelskosten, Regulierungsumfeld etc. hinausgehen. Dazu gehören im Einzelnen:

  • Reichweite der Plattform
  • Such- und Filtertools für Follower
  • Informationstiefe der Signalanbieter-Profile
  • Interessenkonflikte im Hinblick auf die Vergütungsstruktur der Signalanbieter
Copy Trading verspricht nicht weniger, als jedem Nutzer Zugriff auf die Handelsstrategien professioneller bzw. erfolgreicher Trader zu ermöglichen.

Dazu bedarf es einer gewissen Reichweite, weil nur dann eine hinreichende Anzahl qualitativ hochwertiger Strategien verfügbar sein dürfte.

Ein entscheidendes Kriterium betrifft die Informationstiefe, die (potenziellen) Followern zur Verfügung gestellt wird. Es liegt auf der Hand, dass erfolgreiche Trader die Skripte ihrer Strategien nicht mit der gesamten Community teilen, sondern diese lediglich (ggf. automatisiert) über konkrete Trades informieren möchte – schließlich wären die besten und womöglich mit hohem Arbeitsaufwand entwickelten Strategien ansonsten jeglichen Begehrlichkeiten ausgesetzt.

Im Idealfall können Trader aber zumindest durch das Studium des Profils eines Signalanbieters nachvollziehen, ob es sich bei der Strategie um ein mechanisches Handelssystem handelt oder ob der Nutzer „auf gut Glück“ handelt bzw. Ein- und Ausstiegssignale nicht zwingend nach einmalig formulierten Regeln umsetzt.

Wünschenswert (aber längst nicht überall realisiert) wären auch detailliertere Angaben zu Aspekten des Risiko- und Money Managements:
Potenziellen Followern sollte mitgeteilt werden, welcher Prozentsatz des Kontoguthabens pro Position eingesetzt und (indirekt definiert durch Stop Loss) riskiert wird.

Das gilt auch, wenn Positionsgrößen durch Follower frei bestimmt werden können: Die oftmals gewünschte 1:1-Kopie einer Strategie kann bei deutlichen Abweichungen bei Positionsgröße, SL-Abstand usw. nicht realisiert werden.

Ansonsten sind möglichst breit gefächerte Suchtools hilfreich, mit denen Follower gezielt nach Strategien mit festgelegten Eigenschaften suchen können. Bei der Suchanfrage können Kennzahlen wie z. B. max. Drawdown, Trade Ratio, Payoff Ratio, längste Gewinn- und Verlustserie etc. einbezogen werden. Die meisten Plattformen erfüllen diese Anforderungen – und teilen auch mit, ob ein Signalanbieter eine Strategie mit echtem Geld handelt oder nicht.

Screenshot von ayondo.de: Suchtools für  Follower

Screenshot von ayondo.de: Suchtools für Follower

Signalanbieter erhalten für Umsätze ihrer Follower eine Vergütung, deren Höhe ganz wesentlich mit der Höhe des Umsatzes in Zusammenhang steht. Der Umsatz wiederum dürfte wiederum im direkten Zusammenhang mit der Platzierung eines Profils in „Vergleichsranglisten“ bzw. der Platzierung bei stark frequentierten Suchfragen stehen.

Das bedeutet bei einer entsprechenden Reichweite der Plattform, dass bereits eine günstige Kennzahl für einen relativ kurzen Beobachtungszeitraum zu einer erhöhten Kopiertätigkeit durch Follower führen kann.

Dadurch kann es zu Interessenkonflikten zwischen Signalanbieter und Follower kommen – zwar nicht in rechtlicher, aber in wirtschaftlicher Hinsicht. Ein Signalanbieter könnte versucht sein, das eigene Profil durch extrem offensive Handelsansätze prominent zu platzieren und dadurch bei einem glücklichen Marktverlauf zeitweise eine attraktive Performance erzielen – für die Follower bei einer veränderten Marktentwicklung womöglich einen hohen Preis bezahlen.

Die Plattformen machen kaum Angaben bzgl. ihrer Maßnahmen zur Betrugsprävention, auf die im Internet letztlich nie verzichtet werden kann. Was, wenn sich „Trader“ mit jeweils eigenem Profil anmelden und gegenläufige, aggressive Wetten eingehen – einmal „long“ und einmal „short“? Die (temporäre) Platzierung solcher Strategien im sichtbaren Bereich der Ranglisten ist zumindest nicht ausgeschlossen.

Auf die besonderen Eigenschaften des Copy Tradings zurückzuführende Interessenkonflikte zwischen Followern, Signalanbietern und Plattform tangieren das Interesse der Plattformen an einer großen Zahl von Transaktionen, mit denen Deckungsbeiträge generiert werden.

In dieser Hinsicht scheinen Plattformen mit einer pauschalen bzw. nicht vom bisherigen Follower-Umsatzvolumen abhängigen Vergütung der Signalanbieter grundsätzlich besser aufgestellt zu sein – schließlich könnte ein Signalanbieter versucht sein, durch „Extra-Trades“ eine höhere Vergütungsstufe zu erreichen.


Welche Rendite können Follower erzielen?

Die Gretchenfrage für potenzielle Follower:

Welche Renditen sind mit Copy Trading realistisch?

Eine pauschale Antwort als Prozentsatz lässt sich hier kaum seriös anführen. Eine Stichprobe im Signalanbieter-Bestand von ayondo ergab, dass 20 Trader in den vergangenen zwölf Monaten eine Performance von mindestens 25 % bei einem maximalen DD von 12 % und mindestens 86 % „Trefferquote“ erzielt hatten. Das entspricht ca. 1 % der Trader, die eine positive Performance aufweisen können.

Tatsächlich reichte die Bandbreite der Renditen der Profile für diese Abfrage von knapp unter 30 % bis hin zu mehr als 115 %. Doch diese Stichprobe lässt keinesfalls eine Aussage über den Erwartungswert zu, den ein Follower mit Copy Trading erzielen kann. Für solche Aussagen müssten Strategien über einen sehr viel längeren Zeitraum beobachtet, Grundgesamtheiten korrekt ermittelt werden usw.

Diversifikation als Mittel zur Risikominimierung und Gewinnmaximierung

Dennoch zeigen auch Stichproben bei anderen Plattformen, dass es erfolgreiche Strategien gibt, die mit sehr niedrigen Zutrittshürden genutzt werden können. Follower sind gut beraten, auch beim Copy Trading den Grundsatz der Diversifikation zu berücksichtigen und nicht das gesamte Kapital in eine Strategie zu investieren. Besser geeignet erscheint ein Portfolio aus 5+ Strategien, deren Korrelation untereinander im besten Fall berücksichtigt bzw. minimiert wird.


Welche Verdienste sind für Signalanbieter realistisch?

Die Verdienste für Signalanbieter werden durch die Platzierung der Strategie und ihre Positionierung in den Ranglisten sowie das Vergütungsmodell der Plattform bestimmt. Urheber von Handelssignalen erhalten bei ayondo z. B. 5 USD pro Follower-Lot – allerdings nur in der höchsten von fünf Kategorien. Die Einstufung in eine höhere Kategorie ist an Bedingungen im Hinblick auf Performance und Risiko verbunden.

Letztlich dürften die Umsatzperspektiven für Signalanbieter mit der Akzeptanz von Social Trading als relevante Anlageoption im Zusammenhang stehen. Die Branche gibt sich optimistisch und erfährt durch das Interesse von Investoren wie z. B. CommerzVentures derzeit einen Schub. Ob das ausreicht, um eine große Zahl von Anlegern zu tatsächlichen Investitionen zu bewegen, bleibt insbesondere im Kontext des außerbörslichen und eher kurzfristig orientierten CFD- und FX Tradings und bezogen auf den deutschen Markt offen.


Fazit

Copy Trading Plattformen ermöglichen Nutzern (Followern) die automatisierte Umsetzung von Handelssignalen anderer Nutzer (Signalanbieter). Die Branche verspricht, jedermann damit direkten Zugriff auf die Handelsstrategien professioneller Top Trader zu ermöglichen. Die Plattformen sind zumeist gleichzeitig Broker und verdienen an den Trades, die Signalanbieter werden durch die Broker für die Umsätze ihrer Follower vergütet. Ob das Versprechen auf „Top-Renditen für alle“ letztlich eingelöst wird, bleibt abzuwarten.

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Über den Autor

Team BrokerDeal

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Kommentare

  • Scott kommentierte am 28.06.2016 um 17:48 Uhr

    Nun ja, ich meinte nicht eine Manipulation des Brokers - denen ist damit nicht geholfen, das ist klar. Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit, dass der Trader hier Geld vom Ayondo-Konto ins eigene schiebt - über irgendwelche Optionsscheine, Zertifikate, wasweißich. Da kenne ich mich viel zu wenig aus. Aber diese plötzlichen Drawdowns Richtung Null sind mir auch nicht so geheuer. Gerade einem gestandenen Trader mit jahrelanger Erfahrung darf doch so etwas nicht passieren.

    Nach dieser Erfahrung störe ich mich übrigens vor allem an der Anonymität der Followees. Es bleibt für immer unklar, wer eigentlich dahinter steckt. Nicht dass das im Falle des Drawdowns irgendwie helfen würde. Aber ich möchte gerne vorher wissen, wem ich mein Geld anvertraue.

    Beste Grüße aus Wien! Ist eine tolle Seite, die Sie hier aufgebaut haben.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 29.06.2016 um 08:11 Uhr

    Hallo Scott,

    danke für dein Feedback.
    Ich habe auch nicht die Broker gemeint was mögliche Manipulationen angeht, sondern mich schon auf die Trader bezogen. Aber eine Möglichkeit sich Geld ins eigene Täschchen zu schieben sehe ich da nicht, nein.

    Mir wäre auch lieber wenn es eine Verpflichtung gäbe sich und seine Strategie vorzustellen. Das ist zwar schon besser geworden bei manchen Anbietern, aber noch nirgends optimal gelöst.

  • Michael Hinterleitner kommentierte am 28.06.2016 um 09:16 Uhr

    Sehr gute Frage. Da die Trader nur dann Geld verdienen, wenn deren Follower Umsatz generieren, kann es natürlich keine bewusste Manipulation sein, so ein Drawdown. Ist ja nur ein Schuss ins eigene Knie. Sondern ich gehe davon aus, dass der mentale Druck so eines öffentlichen Portfolios selbst gestandene Trader in die Knie zwingt.

    Ein Trade geht schief, dann der zweite, der dritte...und plötzlich wird mit Gewalt versucht den Verlust aufzuholen. Was laut Murphy nur selten gutgeht. Es ist also für mich definitiv kein "Spiel", da der Trader dadurch nichts gewinnt, sondern nur verliert. Ihm wäre es sicher lieber gewesen wenn die Performance beständig wächst.

    Natürlich kann man schon hergehen und zwei Konten traden: auf dem einen massiv Short, auf dem anderen massiv Long. Eines wird durchstarten und hoffentlich Follower anlocken. Aber das ist ja kein langfristiger Plan, und nur weil jemand einen guten Treffer gemacht hat wird er nicht gleich massiv Follower bekommen.

    Ihren Anhang habe ich übrigens hier hochgeladen: http://666kb.com/i/da6yho40pp45669b8.jpg

  • Scott kommentierte am 27.06.2016 um 21:23 Uhr

    Was mir bei dieser Betrachtung ein wenig fehlt: Ist es denkbar, dass Trader mit vielen Followern des Portfolios Trades manipulieren? Bei der Betrachtung so mancher Ayondo-Portfolios bspw. fällt auf, dass das Konto kontinuerlich wächst, über mehrere Monate - und ganz plötzlich, inerhalb von Minuten und oft über Nacht, gibt es den Drawdown von 90%. Ich habe so etwas mit einer kleineren Position bei Ayondo gerade selbst erlebt. Ich habe gelernt, dass ich mein Geld dann lieber selbst versenke, frage mich aber, ob es Möglichkeiten gibt, hier eigene Vorteile aus dem "Pool" zu ziehen. Wenn ich mir überlege, dass ein Trader bspw. 18 Jahre Börsenerfahrung angibt, dann darf ein Drawdown in dieser Höhe ja eigentlich nicht passieren - schon gar nicht Sonntagnacht um 1 Uhr. Oder liege ich da falsch? Ein aktuelles Ayondo-Beispiel im Anhang. Diese Konten übrigens schlafen dann schlichtweg ein, d.h. nach dem Drawdown sind sie einfach tot. Meine Vermutung ist, dass das Spiel dann unter anderem Benutzernamen von vorne losgeht. Was meinen Sie?

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