CFDs vs Optionsscheine

13.02.2014 - 4 Minuten Lesezeit

In einem hoch frequentierten Blog wurde ich kürzlich in eine spannende Diskussion verwickelt. Fast alle Trader in dieser Community handelten auch im kurz- und mittelfristigen Zeitfenster mit klassischen Optionsscheinen. Die Frage, warum denn nicht CFDs verwendet werden, führte zu einigen interessanten Erkenntnissen. So scheinen die Vor- und Nachteile dieser beiden Instrumente sehr vielen immer noch nicht klar zu sein, daher widme ich mich in diesem Artikel noch einmal diesem Aspekt.

Transparenz

Ich fange mit den guten Nachrichten an: Die Transparenz ist meiner Meinung nach der größte Vorteil von CFDs. Man handelt im Prinzip 1:1 den zugrunde liegenden Basiswert, nur mit weniger Kapitalbedarf. Halte ich 10 CFDs im German30-Index, und der Dax macht 10 Punkte in meine Richtung, dann sind das 100€ Gewinn, basta. Ich brauche keinen Zeitwert zu berücksichtigen, keine implizite Vola oder Auf-/Abgeld. Was habe ich mich doch oft grün und blau geärgert wenn der Dax einen 20-Punkte Sprung machte, mein Zertifikat aber nur 15 Cent mitging.

Komplexe Auswahl

Dann brauche ich mir auch nie Gedanken über die richtige Auswahl meiner Scheine zu machen. Es gibt in meiner Plattform den GER30 mit 1€ pro Punkt, und das war’s. Bei den richtigen Brokern sind sogar die Aktien-CFDs mit börsenechten Spreads zu haben ohne dass der Broker daran rumpfuscht, und angebliche „Verbindungsfehler“ wie im Direkthandel mit Emittenten gibt es nicht. Gerade im Intradayhandel, wenn ich plötzlich eine Gelegenheit in einer Aktie erblicke mit der ich nicht gerechnet habe, verliere ich keine Zeit bei der komplexen Scheinauswahl.

Kosten

Ordergebühren gibt es in der Regel nur bei Aktien-CFDs, und das auch für Kleinstanleger ab 0,1% ohne Mindestgebühr. Als Vergleichsbeispiel nehme ich einfach mal einen der Umsatzspitzenreiter beim Verfassen dieses Artikels, den Dax Put mit Basis 7700 von BNP (DE000BP49PL3) zum Kurs 1,56/1,57. Der hat wie der CFD 1 Cent (Punkt) Spread, also Kostengleichheit hier. Dazu kommen bei Optionsscheinen nun aber noch die Handelsgebühren. Ich war damals bei Cortal Consors, und wenn ich auf deren Homepage sehe werden bei jeder Order mindestens 4,95€ fällig.
Ich shorte also zum aktuellen Dax-Kurs von 7.720 mit 10 CFDs bzw. 1.000 OS (=10€ pro Daxpunkt). Für den CFD-Trade brauche ich 772€ Kapital für die Margin (1%), für den Optionsschein brauche ich 1.560€. Nehmen wir an alles geht gut und ich stelle noch Intraday glatt zu 7.710. Wie sich der OS entwickelt hat kann ich nur raten, gehen wir im Idealfall von 10 Cent aus.
Der CFD- Trade hat uns glatte 100€ Gewinn gebracht. Der Optionsschein 100 – 4,95x2 = 90,1€ (WENN der OS tatsächlich 10 Cent gemacht hat, das ist ja im Vorhinein nie so genau zu sagen). CFDs sind aber keinesfalls perfekt! Ich oute mich zwar gerne als Fan, einen gewichtigen Nachteil gibt es aber:

Nachschusspflicht

Es ist zwar toll, wenn man wegen geringer Marginanforderung beim CFD-Trading sein Kapital diversifizieren oder hohe Stückzahlen wählen kann. Aber es sollte immer genug Cash am Konto sein, damit es nicht zum Margin Call oder gar einer Nachforderung von Seiten des Brokers kommt!
Optionsscheine haben dieses Problem nicht, da kann maximal der Einsatz verloren gehen (bzw. bleibt meist auch dann ein Restwert). Vom Verriss der CFDs als Selbstmörderinstrument, wie mir aus einem Forum mal entgegenschallte,  ist aber nichts zu halten, wieder ein Beispiel: Angenommen ich habe 10.000€ am Konto, gehandelt werden 10 CFDs auf den GER30. Margin brauche ich dafür nur 772€, es würde also erst zum Margin Call bzw. einer Nachschusspflicht kommen, wenn ich den Trade 922 Punkte ins Minus laufen lassen würde! Nehmen wir nun aber die gleiche Stückzahl für ein 2.000€-Konto an, oder wenn man auch andere Positionen im Depot hat, und es sind nur noch 2.000€ Cash übrig: dann kann der Trade nur noch 122 Punkte ins Minus laufen, bevor der Margin Call kommt und die Position und/oder weitere zwangsweise aufgelöst werden vom Broker.
Das ist dann in der Tat zu knapp, man denke nur an so manche Gaps über Nacht oder an drastische News. Da ich aber nie ohne Stops handle, und bei einem so kleinen Konto auch nie derartige Stückzahlen eingehen würde, unterscheidet sich das einzelne Traderisiko zwischen CFDs und OS nicht für mich.
Speziell in dem erwähnten Blog wird aber eine Strategie ohne Stopps und dafür mit Hedges gefahren. Und hier sind CFDs dann in der Tat unterlegen bei längeren Haltedauer, da die Positionen dann oft schon massiv im Buchminus sind, und es zu dem ein oder anderen Margin-Call käme.

Zinsen

Beim Halten von CFD-Longpositionen über Nacht fallen Zinsen an (der Broker stellt einem schließlich den Großteil des Handelsvolumens als Kredit zur Verfügung, selbst muss man nur 1-10% an Margin hinterlegen). Langfristig sind die praktisch untragbar. In der Regel werden für Longs über Nacht Leitzins + 2% fällig. Bin ich mit 1 CFD (=1€ pro Punkt) im Dax Long zu 9.000, dann sind das ca. 0,63€ pro Nacht oder 0,63 Punkte.
Der größte Teil der Optionsscheine im Vergleich verliert allerdings noch mehr an Zeitwert über Nacht, wie ich in diesem Artikel versucht habe zu zeigen. Beim echten Aktienhandel hingegen fehlt dieser Kostenfaktor komplett, Aktien haben damit bei langfristigen Investments die Nase vorne. Man braucht dafür halt auch das meiste Kapital.

Abschließend zu sagen ist, dass aus dieser Gegenüberstellung für mich CFDs als Sieger hervorgehen. Optionsscheine sind für sehr spezielle Strategien geeignet, dafür bedarf es aber eines Händchens und/oder eines langen Atems und guten Nerven.

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Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

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