CFDs sind die beste Wahl für Kleinanleger

02.04.2015 - 5 Minuten Lesezeit

Nach alle den Jahren, die CFDs mittlerweile auch in Deutschland den Siegeszug angetreten haben, gibt es immer noch zahlreiche Vorurteile und Wissenslücken der durchschnittlichen Optionsschein- und Zertifikate-Trader. Werfen wir doch einen kurzen Blick auf die entscheidenden Unterschiede und die jeweiligen Stärken und Schwächen.

Auf die technischen und rechtlichen Spezifikationen möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, dazu verlinke ich auf Grundlagenartikel wie „So funktionieren CFDs“, „Hebelzertifikate- Grundlagen und Anlegerwissen“ oder „Optionsscheine: Die (fast) vergessenen Derivate“.

Ich möchte mich heute viel mehr auf die in der Praxis entscheidenden Unterschiede konzentrieren, und zwar am Beispiel des Dax30-Index.

Kosten

1 Punkt Spread ist bei den CFD-Brokern die Regel im DE30, das entspricht haargenau dem 1 Cent Spread den die Derivate üblicherweise haben (100 Stück Knock Outs mit Bezugsverhältnis von 0,01 = 1 CFD). Unentschieden also. Nur dass bei den Derivaten jetzt noch Gebühren dazu kommen, Minimum 5,9€ pro Order. Es gibt zwar regelmäßig Freetrade-Aktionen, die außerbörslichen Direkthandel mit den Emittenten ohne Gebühren ermöglichen. Aber die sind nicht die Regel und beziehen weder alle Anbieter noch den Börsenhandel mit ein.

Wenn wir Trader 1 Euro pro Daxpunkt bewegen wollen, stehen 1 Euro Kosten mit dem CFD mindestens 12,8 Euro Kosten mit dem Optionsschein oder Zertifikat gegenüber (1€ Spreadkosten bei 100 Knock Outs + 5,9€ x 2). Handle ich 2x täglich habe ich bei 250 Handelstagen im Jahr mit CFDs eine Ersparnis von 5.900 Euro pro Jahr. Das muss man sich als Derivatetrader mal auf der Zunge zergehen lassen. Dabei sind hier die Ersparnisse für Mitglieder von BrokerDeal von bis zu 40% des Spreads noch gar nicht berücksichtigt.

Beim Halten von Longpositionen über Nacht kommen bei CFDs in der Regel ca. 2,5% p.a. Finanzierungskosten hinzu, da einem der Broker sozusagen Kredit gewährt beim Handel auf Margin. Bei Derivaten lassen sich die Übernachtkosten leider nicht so genau beziffern, womit wir bei der Transparenz wären.

Transparenz

Wenn Sie heute den DE30-CFD bei 11.000 Punkten kaufen, und der Dax legt bis zum nächsten Tag um 50 Punkte dazu, dann sind Sie auch mit Ihrem CFD 50 Punkte im Gewinn. So einfach ist das.

Jeder der schon mit Knock Outs und Optionsscheinen gehandelt hat, sehnt sich hingegen nach so einer transparenten Preisbildung. Implizite Vola, Zeitwert oder Risikoaufschläge erschweren die Nachvollziehbarkeit der gestellten Kurse allerdings erheblich, und lassen den Emittenten viel Spielraum für Manöver.

Komplexe Auswahl

Es gibt nur einen Dax-CFD pro Plattform bzw. pro Broker. Den kann ich kaufen (Long), also auf steigende Kurse setzen. Oder Verkaufen (Short), womit ich von sinkenden Kursen profitiere. Alles mit einem Klick.

Wohingegen die Auswahl bei Derivaten endlos groß ist, welche gerade Anfänger völlig überfordert. Jeder Emittent hat Scheine mit unterschiedlichen Ausprägungen, Laufzeiten und Basispreisen. So ist es keine Ausnahme, dass erfahrene Knock Out-Trader sich jeden Morgen nach den geeigneten Scheinen umsehen müssen, bevor sie ihren Handelstag beginnen können. Und wissen auch dann nicht, ob nicht ein anderer Emittent an diesem Tag der bessere Handelspartner gewesen wäre im Direkthandel.

Maximaler Verlust

Wenn ein Stoppkurs unterschritten wird, erhält jeder Trader, egal ob mit CFDs oder Derivaten, den nächsten verfügbaren Ausführungskurs. Dieser kann sich vom gewünschten Kurs in hektischen Phasen zum Teil auch erheblich unterscheiden, das nennt man dann Slippage. Slippage gibt es also in allen Instrumenten. Der Vorteil von Derivaten aber, und das ist für mich der einzig greifbare im direkten Duell: die Scheine können maximal auf Null fallen. Entweder wenn die Knock Out Schwelle bei Zertifikaten erreicht ist, oder ein Optionsschein wertlos verfällt, weil die Wette nicht aufging.

Hier kenne ich meinen maximalen Verlust also schon im Voraus. Während bei CFDs ein überrannter Stopp außerplanmäßige Verluste anhäufen kann.

Ein theoretisches Beispiel: Sie möchten auf einen steigenden Dax spekulieren, und sind bereit 100 Punkte zu riskieren. Der 100-Punkte Stopp bei einem CFD kann überrannt werden, sagen wir bei überraschenden News um satte 100 Punkte. Der Verlust ist nun doppelt so groß wie geplant (die Ausnahme wären garantierte Stopps, die man bei manchen Brokern mittels einer kleinen Prämie erwerben kann).

Zum Vergleich können Sie nun einen Knock Out Call kaufen mit einer Knock Out-Schwelle, die 100 Punkte vom aktuellen Kurs entfernt liegt. Egal was geschieht, Sie können nicht mehr als diese 100 Punkte verlieren. Es gibt aber trotzdem einen Haken: die intransparenten Risiko- und Zeitaufschläge bei Derivaten. In der Theorie würde ein Knock Out 100 Punkte vor seiner KO-Schwelle zu 1 Euro notieren. Werfe ich aktuell einen Blick in diverse Datenbanken, notieren vergleichbare Scheine aber vielmehr zwischen 1,2 und 1,3 Euro. Sie verlieren also zum wahren inneren Wert zusätzliche 20-30 % bei einem Knock Out.  Und das bei JEDEM Knock Out, während überrannte Stopps in so einem Ausmaß bei CFDs die seltene Ausnahme sind. Genauere Infos zu diesen Aufgeldern finden Sie in diesem Artikel, der auch noch auf weitere verweist.

Nachschusspflicht

In Verruf sind CFDs bei Außenstehenden vor allem wegen der Nachschusspflicht. Verluste können in der Tat die Einlage übersteigen bei schlechtem Risikomanagement oder außergewöhnlichen Ereignissen wie der überraschenden CHF-Aufwertung am 15. Januar 2015. Schließlich handelt man auf den Kredit des Brokers, und der besteht auf Tilgung. In der Regel geschieht einem zwar nichts, wenn man Positionsgrößen vernünftig wählt und Stopps setzt. Sollte man bei einem Black Swan Event trotzdem mal auf dem völlig falschen Fuß erwischt werden, und eine Position kann erst weit im Minus ausgestoppt werden, dann darf der Broker Sie auffordern, das Konto wieder auszugleichen. Das ist nicht anders wie im Futureshandel, der Königsklasse unter den Finanzinstrumenten.

Aber wer auf Nummer sicher gehen möchte, der hat mittlerweile eine schöne Auswahl an CFD-Brokern, die auf Nachschusspflicht verzichten! Wie da wären Admiral Markets, ActivTrades oder OANDA.

Fazit

Diverse Optionsscheine sind das richtige für manche Experten, die gezielt Eigenarten ausnutzen bzw. nach unter- und überbewerteten Scheinen Ausschau halten. Knock Outs werden oft gewählt um auf News und Events zu spekulieren aufgrund ihrer Verlustbegrenzung und Hebelwirkung. Optionsscheinen und Knock Outs ist gemein, dass man seinen maximalen Verlust immer kennt, und KOs bilden die Preisentwicklung des zugrunde liegenden Wertes zumindest Intraday noch ganz gut 1:1 ab, da Effekte wie die implizite Vola hier keinen Einfluss haben.

Trotzdem kein Vergleich mit der Nachvollziehbarkeit und der Transparenz der CFDs. Die Kosten sprechen auch eine absolut eindeutige Sprache, und trotzdem sind Derivate immer noch sehr beliebt bei deutschen Anlegern.

Es wird also weiterhin viel Aufklärungsarbeit zu leisten sein, um Vorurteile und Missverständnisse aus der Welt zu räumen. Der Börsenhandel ist schon schwierig genug, da sollte man zumindest mit den richtigen Werkzeugen handeln. 

Viel Erfolg beim Trading
Michael Hinterleitner

Über den Autor

Michael Hinterleitner

Michael Hinterleitner

Bereits mit 16 der Faszination Börse erlegen, wurde Trading neben dem Studium der Wirtschaftswissenschaften zu seiner Hauptbeschäftigung, seit 2006 ist er auch Redakteur und Trader bei GodmodeTrader.de tätig. Sein Fokus: Swing- und News-Trading mit Aktien. Neben der täglichen spannenden Jagd an den Börsen kam 2011 die Idee zu einem neuen Brokervergleich, der nicht nur einen detaillierten Blick hinter die Kulissen erlaubt, sondern auch handfeste Vorteile für Mitglieder bringt. Als Mitbegründer der Vergleichsplattform BrokerDeal.de hat sich Michael Hinterleitner zum Ziel gesetzt, Licht in den Brokerdschungel zu bringen. Er erklärt, worauf es bei der Brokerwahl ankommt, welcher Anbieter für welche Bedürfnisse Sinn macht, und auf welche Unterschiede man bei den Produkten und der Ausführungsqualität achten sollte.

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