BrokerDeal im Gespräch mit mit Rafael Neustadt vom CFD-Verband

24.08.2016 - 4 Minuten Lesezeit

Um den deutschen Anlegern CFDs näher zu bringen, und die regulatorischen Rahmenbedingungen für Trading mit diesen Instrumenten zu verbessern, wurde mit dem CFD-Verband eine sinnvolle Interessenvertretung der auf CFD- und Devisenhandel spezialisierten Finanzdienstleister ins Leben gerufen. BrokerDeal hat sich mit dem Geschäftsführer Rafael Neustadt über CFDs, Binäre Optionen und schwarze Schafe unterhalten.

Herr Neustadt, sind CFDs immer noch eine Boombranche?

rafael-neustadtDas kann man so sagen, diese Tatsache wird nicht zuletzt durch die jüngsten Statistiken eindrucksvoll belegt:

Im ersten Quartal dieses Jahres nahm das Volumen der hierzulande gehandelten CFDs um 8,2 Prozent auf 504,3 Milliarden Euro zu.

Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Studie des Research Center for Financial Services der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag des CFD-Verbands zur Entwicklung des CFD-Markts in Deutschland.

Demnach stieg im ersten Jahresviertel zudem die Kundenzahl:

Während die CFD-Broker im ersten Jahresviertel 2015 110.478 CFD-Konten zählten, waren es im Auftaktquartal dieses Jahres 139.932, das ist ein Plus von knapp 27 Prozent.

Binäre Optionen sind aktuell ein heißes Eisen, zeigen etwa Google-Statistiken nie dagewesenes Interesse. Fluch oder Segen für die CFD-Branche?

Auf der einen Seite könnten sie ein Sprungbrett sein für Anfänger, über Binäre Optionen zum "richtigen" Trading zu kommen. Andererseits ist der "Bankvorteil" enorm und der Zock-Charakter hoch.

Binäre Optionen haben ein Alleinstellungsmerkmal: Sie brechen die Entwicklung am Markt runter auf die einfachste aller Frage – rauf oder runter?

Der Vorteil bei Binären Optionen ist, dass die Laufzeit und der maximale Gewinn oder Verlust feststehen und dem Anleger bekannt sind. Damit haben sie ihre Daseinsberechtigung.

Voraussetzung sollte aber wie bei allen anderen Instrumenten am Finanzmarkt sein, dass der Anleger sie richtig und mit Augenmaß einsetzt.

Zudem sollte er bei der Auswahl des Anbieters genau hinschauen und schwarze Schafe meiden.

Dem umstrittenen Handel mit Binären Optionen wird in immer mehr Ländern der Riegel vorgeschoben von den Regulierungsbehörden. Belgien hat in einem drastischen Schritt aber gleich sämtliche OTC-Produkte mit einem Bann belegt, also auch CFDs und FX. Wie kann man sich das erklären, eine Überreaktion schlecht informierter Bürokraten?

Einer der möglichen Hintergründe dieser Maßnahme in Belgien könnte sein, dass sich die belgische Regulierung gegen schwarze Schafe der Branche schützen möchte. Ich finde nicht, dass das der richtige Weg ist, da Hebelprodukte nicht partout schlecht sind. Mehr sollte der Fokus darauf liegen, die Bewerbung dieser Produkte zu kontrollieren.

Es ist auf der einen Seite bedenklich, dass dieser jüngste Schritt der Behörden nun vielen Anlegern die Möglichkeit des Einsatzes sinnvoller Hebeinstrumente für ihr Risikomanagement nimmt.

Auf der anderen Seite hoffen wir mit der Arbeit des CFD-Verbandes in Sachen Aufklärung und Transparenz den Anlegern in Deutschland Hilfestellung dabei zu geben, schwarze Schafe besser zu identifizieren – damit es zu einer solchen Entwicklung gar nicht erst kommen muss.

Studien wie der Investment Trends Report zeigen ungebrochen hohes Interesse der Deutschen an Zertifikaten und Optionsscheinen. Wie erklären Sie sich das, wo diese Derivate doch ungleich intransparenter als CFDs sind?
Ist hier noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, oder ist schlicht die Gewinnspanne der Banken und Emittenten zu groß und haben CFDs gegen diese Lobby einen schweren Stand?

Man darf nicht vergessen, dass Zertifikate und Optionsscheine schlicht und ergreifend früher am Markt waren und daher einen gewissen zeitlichen Vorsprung haben, was das Bewusstsein der Anleger angeht.

Nichtsdestotrotz bin ich guter Dinge, dass auch dank der guten Aufklärungsarbeit des CFD-Verbands peu à peu immer mehr Börsianer von den Vorteilen von CFDs überzeugt werden. Denn diese Vorteile sind enorm.

Welche Pro- und Contra- Argumente bezogen auf CFDs würden Sie einem Trader gegenüber erwähnen, der täglich mit Knock-Out Zertifikaten auf den DAX handelt?

Da muss man sich meiner Ansicht nach nur einmal die grundsätzlichen Vorteile von CFDs vor Augen halten.

Da ist etwa die von Ihnen schon erwähnte hohe Transparenz von CFDs, da es immer nur einen CFD gibt der den Basiswert 1:1 nachbildet.

Ein weiterer großer Pluspunkt von CFDs ist der Service & Support: Der Anleger ist direkt mit dem CFD-Anbieter verbunden, steht also im direkten Kontakt mit seinem Broker. Das ist in vielen Fällen von Vorteil, weil man den direkten Draht zum Emittenten hat.

Negative Schlagzeilen bleiben der Branche in regelmäßigen Abständen nicht erspart, trotz vieler Maßnahmen zur Regulierung und Qualitätssicherung. Wie kann der Kunde selbst schwarze Schafe aufspüren, außer über Bewertungsportale wie BrokerDeal.de?

Der Anleger kann sich an simplen Kriterien orientieren:

So sollten ihn grundsätzlich unrealistische Werbeversprechen, extrem hohe Boni ebenso stutzig machen wie der Umstand, dass ein Anbieter seinen Sitz beispielsweise offshore hat.

Zudem sollte der Kunde sicher gehen, dass der von ihm gewählte Anbieter der Aufsicht einer anerkannten Behörde wie etwa der BaFin unterliegt – das ist im Übrigen eines der Kriterien, die der CFD-Verband von den in ihm organisierten Unternehmen fordert.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Wie sorgen Sie selbst finanziell vor, traden Sie selbst auch (noch) oder denken Sie primär an konservativere Anlageformen?

Ich verhalte mich da gemäß dem Grundsatz der Diversifikation, Risikostreuung ist mir wichtig. Dabei greife ich natürlich unter anderem auch auf CFDs zurück, die ja dank ihres Hebels ein effektives und kostengünstiges Risikomanagement ermöglichen.

Und natürlich trade ich mitunter auch – zumal Strategien, die ausschließlich am klassischen "Buy and Hold" orientiert sind, in den letzten Jahren deutliche Schwächen gezeigt haben.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Neustadt!

Infografik CFD Statistik 2016

 

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